Montagsfrage #31

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Eine Aktion von Buchfresserchen

Wie schafft es eine Hauptfigur, sich bei dir unbeliebt zu machen?

Ich habe vor kurzem Band 1 (Im Land es Windes) der Drachenkämpferin-Trilogie gelesen und Nihal hat es tatsächlich geschafft, sich bei mir unbeliebt zu machen. Ja sie ist noch ein junges Mädchen und benimmt sich auch so, aber genau deshalb find ich auch keinen Draht zu ihr. Irgendwie stört mich diese kindische Dickköpfigkeit, aber auch dieser teilweise Wankelmut. Mal ein Beispiel: Sie wurde ja als Kind einmal mit Hilfe von Magie im Kampf besiegt und schwupps will sie auch Magierin werden, dann trifft sie aber auf den Drachenreiter und schwupps ist von Magie keine Rede mehr und sie will mit aller Gewalt Drachenreiterin werden. Und ja ich weiß: Es ist Jugendfantasy, es ist bis jetzt nur der Anfang und ich nehme mal an, wenn ihre Ausbildung abgeschlossen ist, wird es vielleicht noch spannender, aber im Moment ist es irgendwie nervig und davon, dass sie natürlich in allen Kampfdisziplinen die beste ist, fang ich gar nicht erst an. Ich lege alle meine  Hoffnungen in den zweiten Band.

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Stilmittel: Perspektivenwechsel

Wir kennen ihn wohl alle. Manche von uns (Hobby)autoren benutzen ihn intuitiv, wieder andere wohl durchdacht: Den Perspektivenwechsel. Da er ein durchaus interessantes Instrument sein kann, ist das Grund genug ihn auf die Wörterinsel zu holen und näher zu beleuchten.

Was ist ein Perspektivenwechsel?

Es gibt meiner Meinung nach zwei Arten von Perspektivenwechseln, oder vielleicht besser ausgedrückt: Zwei Anwendungsmöglichkeiten. Die erste Möglichkeit ist wohl die häufigste nämlich, in dem für jeden Abschnitt, bzw. Kapitel die Perspektive gewechselt wird. Mal ein fast schon klassisches Beispiel: Wir haben einen Krimi, in dem ein Kommisar ermittelt. Wir sehen durch seine Augen, wie er den Fall untersucht. Parallel dazu werden immer wieder Kapitel eingeschoben, die aus Sicht des Killers schildern, wie er eine neue Tat plant.

Anwendungsmöglichkeit Nummer zwei ist: Wir sehen ein und dieselbe Szene zwei mal, nur aus einer anderen Perspektive. Beispiel: Ein Streit zwischen einem Ehepaar. Zuerst lesen wir ihre Sicht, wie sie ihrem Gatten Vorwürfe macht. Im nächsten Absatz lesen wir dann, wie er nach Hause kommt und von den Vorwürfen seiner Frau überrascht wird.

Die Vorteile des Perspektivenwechsel

Bleiben wir zunächst bei Variante Eins. Sie wird wohl am häufigsten verwendet, mal mehr, mal weniger stark. Gerade bei meinem Krimi-Beispiel bringt sie ein paar Vorteile mit sich.

Wir fragen uns hier (selbstverständlich neben der zentralen Frage, ob und wie der Täter geschnappt wird, bzw. wer er ist) wie nun die beiden Handungsfäden zusammen laufen. Wenn der Perspektivenwechsel an der richtigen Stelle eingesetzt wird, dann kann er Spannung erzeugen. Zum Beispiel habe ich mir schon manches mal gedacht, dass ich lieber dem Polizist noch weiter gefolgt wäre. So bringt mich der Wechsel zum Weiterlesen. Manches mal auch dadurch, weil es mich ein bisschen wurmt, dass ich nun etwas wichtiges erfahren habe, was ich aber dem Kommisar nicht mitteilen kann.

Ebenso können die Perspektivenwechsel genutzt werden, um Zeit vergehen zu lassen in dem wir zu einem anderen Potagonisten springen, wo unser Kommisar erst später hinzu kommt. Auch kann der Perspektivenwechsel nützlich sein, um verschiedene Handlungsorte zu nutzen: Klassicher Fall wäre hier ein Ermittlerteam, dass an unterschiedliche Orte geschickt wird. Wir haben hier dann die Möglichkeit jedem einzelnen über die Schulter zu schauen. Später werden dann die Informationen zusammengetragen.

Es gibt also unzählige Möglichkeiten, den Perspektivenwechsel bewusst für sich (bzw. die Geschichte) zu nutzen.

Von der zweiten Varaiante bin ich ehrlich gesagt nicht begeistert, ich habe aber bisher nur ein Buch damit gelesen. Es hat mich schlichtweg gestört, so gut wie jede Szene zweimal zu lesen, obwohl die beiden Protagonisten natürlich die Situation unterschiedlich wahrgenommen haben. Eine Umsetzung, die mir hingegen gefallen hat, habe ich in einem Film gesehen. Es werden Szenen zwar nicht direkt zweimal gezeigt, aber es gibt öfter Wiedererkennungspunkte. Das war „Elevenfourteen“. Hier wechselt die Erzählperspektive so, dass wir zuerst das Ergebnis der (etwas verworrenen) Handlung sehen und dann von Charakter zu Charakter springen, sodass wir in der zeitlichen Abfolge sozusagen rückwärts gehen, bis wir erst am Ende wissen, wie alles angefangen hat und so den Ablauf verstehen. Klingt kompliziert, ist es auch. Aber sehr gut gemacht. Ich bin immer mal wieder dabei zu überlegen, wie man das Konzept für einen Text nutzen kann.

Die Nachteile der Perspektivenwechsel

Was Vorteile hat, hat selbstverständlich auch Nachteile. Ein Perspektivenwechsel an der falschen Stelle kann Leser dazu bringen das Buch zu schließen. Zum Beispiel, wenn es zu oft einen Wechel gibt und wir so beim Lesen den roten Faden verlieren. Kurze Kapitel und Absätzte sind meistens unübersichtlich. Auch kann ein zu plötzlicher Wechsel dazu führen, dass es zu verwirrend wird und der Übergang, wenn es bei diesem Handlungsstrang wieder weiter geht zu kompliziert wird. Ebenso kann es von Nachteil sein, den falschen Perspektiventräger zu auszuwählen.

Der Perspektiventräger

Perspektiventräger ist die Figur, aus deren Sicht wir die Szene schildern. Wie oben schon erwähnt ist das in Kriminalromanen oft der Kommisar, manchmal auch der Täter. In der Fantasy ist es der Held. Aber es gibt ja noch mehr Möglichkeiten wer Perspektiventräger sein kann. Zum Beispiel kann es ein Kollege des Kommisars sein. Denken wir nur an diverse Tatort-Ermittler-Duos, die beide – mal mehr, mal weniger abwechselnd – Perspektiventräger sind und die wir dann immer wieder mal begleiten. Oder denken wir an diverse Fantasy-Helden, deren Gefährten ebenso Perspektiventräger sein können.

Aber wer ist nun der Richtige?

Die pauschalste Antwort hierauf ist wohl: Der, der etwas zu erzählen hat. Sicherlich ist das fast immer der Held, der gerade loszieht, um sein Abenteuer zu bestehen. Aber sollte er gerade mal nur in einem Gasthaus sitzen und sich erholen, dann wäre die Gelegenheit, um zu einem seiner Gefährten zu schwenken, der gerade dem Feind im Hinterhof des Gasthauses begegnet.

Um das Krimi-Beispiel nochmal aufzugreifen: Manchmal müssen Kommisare auch ihren Papierkram erledigen. Da das nicht immer Spannend ist, bietet es sich an, hier zu einem Kollegen im Außendienst zu springen, der gerade eine interessante Spur entdeckt hat. Sicher kann er das nachher unserem Helden berichten, aber live dabei zu sein ist immer besser.

Manchmal gibt es ja auch ganze Helden-Gruppen, die gemeinsam ein Abenteuer erleben. Dann hat man natürlich die Qual der Wahl wer Perspektiventräger sein soll. Sinnvoll ist es natürlich nicht allzu oft die Perspektive zu wechseln. Kann man sich dann immer noch nicht entscheiden, bietet sich derjenige an, für den die Situation neu und somit spannend ist. Beispiel: Die Gefährten ziehen zusammen durch das Land. Dann bietet sich derjenige an, der in diesem Teil des Landes noch nie war. Oder auch der Jüngling der Gruppe, bietet sich auch immer ganz gut an, weil der noch zusätzlich den Konflikt in sich trägt, dass er nicht von allen Respektiert wird. Überhaupt gilt:  Passive Perspektiventräger sind meistens langweilig, lieber einen nutzen der etwas tut.

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Montagsfrage #86

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Eine Aktion von Buchfresserchen

Habt Ihr ein schlechtes Gewissen gegenüber Protagonisten, wenn die bspw. hungern müssen und Ihr nebenher futtert?

Ganz einfach: Nein. Es macht mir auch nichts aus, wenn ich eingekuschelt auf meiner Couch sitze und der Protagonist sich durch Schnee und eis kämpfen muss. Dafür bin ich dann auch zu sehr in der Geschichte drin um darüber nachdenken zu können.

Auf den Punkt gekommen – Was die drei Auslassungspunkte nicht sind

drei Punkte, die gesetzt werden, um eine Auslassung im Text zu kennzeichnen

Duden.de

Jeder hat sie wohl schon mal gesehen, wahrscheinlich auch schon verwendet, aber sich vielleicht noch nie Gedanken darüber gemacht. Die Rede ist von den drei Auslassungspunkten.

Gerade in Geschichten von Schreibneulingen werden sie oft, gerne und manchmal völlig wahllos benutzt, deshalb wurden sie nach und nach zu einem Thema, über das ich einfach mal sprechen will. Es beginnt schon bei der formalen Frage: Wohin mit dem Leerzeichen? Ob ein Leezeichen gesetzt wird, richtet sich danach, ob mit den Punkten ein Wort unterbrochen wird oder nicht. Also so:

„Was zum Teu…?“ (Hier darf kein Leerzeichen hin)

„Was zum Teufel …?“ (Hier muss das Leerzeichen rein)

Soviel zum formalen Teil, nun aber zu der ganz konkreten Frage, wann ist es sinnvoll mit diesen Punkten zu arbeiten? Meine ganz ehrliche Meinung: Gar nicht. Also die erste Variante ist vielleicht mal ganz nützlich, aber letztere ist eigentlich sinnlos.

5 Dinge, was die drei Auslassungspunkte nicht sind:

  • Mystisch und geheimnisvoll. Natürlich kann der Satz „Und die schattenhafte Gestalt folgte ihm …“ eine gewisse Wirkung erzielen, aber meiner Meinung nach macht der Satz: „Die schattenhafte Gestalt folgte ihm.“ das auch. Ich finde sowieso, dass in solchen Situationen kurze Sätze mehr Wirkung entfalten.
  • Ersatz für Andeutungen. Selbstverständlich können die Punkte in dem Satz: „Dann wurde alles um ihn herum schwarz …“ andeuten, dass danach noch etwas folgt, aber warum sollte das der Satz: „Dann wurde alles um ihn herum schwarz.“ nicht? Der Leser sieht doch, dass die Geschichte noch weiter geht, weil dann der nächste Absatz kommt. Ebenso ist es, wenn man damit am Ende der Geschichte einen Cliffhanger erzeugen will. Ein kurzer Satz erzeugt dann dieselbe Wirkung.
  • Lückenfüller. Ich habe mal in einem Forum einen Schreibanfänger gefragt warum er die Auslassungspunkte sooft benutzt hat. Er hat mir tatsächlich geantwortet hat, dass er die Punkte immer dann gemacht hat, wenn er darüber nachdachte, wie es weitergehen soll. Das hatte zur Folge, dass die Punkte hinter jedem zweiten Satz zu finden waren und der Text einfach umständlich zu lesen war.
  • Eieruhren. Oft werden die Anführungszeichen dazu missbraucht anzuzeigen, das etwas Zeit vergangen ist. Beispiel: „Das würde sich in der Zukunft zeigen …“ Eigentlich ist es ähnlich wie im ersten Beispiel. Hier wird der Leser mit der Nase und sogar mit dem ganzen Oberkörper darauf gestoßen, dass nun inhaltlich etwas Zeit übersprungen wird. Aber warum genügt der Satz: „Die Zukunft würde es zeigen.“ nicht?
  • Gedankengänge ersetzen. Ein Beispiel: „Die Schlacht tobte um ihn herum … Die feindlichen Soldaten rückten näher. Er schwang sein Schwert mit vollem Elan … Der Sieg war nun nahe.“ Hier muss sich der Leser selbst ein Bild davon machen, wie die Schlacht genau abläuft und wie der Held sein Schwert schwingt. Hier liegt es natürlich auch an der Kürze des Beispiels, aber so wurden die drei Punkte auch in längeren Texten eingesetzt. Aber warum nicht einfach noch einen, oder zwei Sätze mehr dazu schreiben?

Fazit: Selbstverständlich kann man mit den drei Punkten arbeiten. Das ist wie so oft Geschmackssache. Aber wenn dann bitte wohldosiert und überlegt.

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