Über kurz oder lang – oder: Mach mal nen Punkt

Manche behaupten sie wären ausgestorben, ein Fossil aus grauen Vorzeiten, aber es gibt sie immer noch: die Bandwurmsätze. Oder besser gesagt: Die langen Sätze. Gefühlt sind sie tatsächlich etwas aus der Mode gekommen, aber dennoch sind sie noch in aktuellen Büchern und Geschichten zu finden. Nun stellt sich die Frage: Ist ihr Einsatz tatsächlich notwendig? Ist er überhaupt sinnvoll oder viel mehr sinnlos?

Meine persönliche Meinung ist ja: Die Mischung macht’s! Eine Geschichte (oder Roman) in der sich Bandwurmsatz an Bandwurmsatz reiht, liest sich einfach umständlich und anstrengend. Man muss sich immer konzentrieren, dass man auch ja den Sinn des ganzen Satzes erfasst, aufpassen, dass man sich am Ende noch an den Anfang erinnert und überhaupt den Faden nicht verliert. Es liegt also in der Natur der Sache, dass sich kurze Sätze einfach schneller lesen und somit den ganzen Textfluss beschleunigen. Deshalb ist es naheliegend, aber dennoch eine Sache, die ich Schreibneulingen immer wieder rate: Kurze Sätze eignen sich für Action-Szenen (eben Szenen in denen etwas passiert), längere Sätze für Beschreibungen.

Stellen wir diese Theorie doch einfach auf die Probe und versuchen uns an einer Action-Szene:

„Der junge Held, zog sein Schwert und stürzte sich mit erhobener Waffe in den Kampf. Ein Gegner trat ihm in den Weg und hob seinen Schild gegen ihn. Mit einem kräftigen Schlag seines Schwertes, bei dem Metall auf Metall traf, zwang er den Gegner in die Knie.“

Gut, keine literaische Meisterleistung, aber hoffentlich als Beispiel genügend. Im Moment sind es drei Sätze, in denen ich kurz das Schwerterschwingen beschreibe. Versuchen wir es mal mit mehr, aber kürzeren Sätzen.

„Der junge Held zog sein Schwert. Mit erhobener Waffe stürzte er sich in den Kampf. Ein Gegner trat ihm mit erhobenen Schild in den Weg. Metall traf auf Metall. Der kräftige Schlag seines Schwertes zwang ihn in die Knie.“

Worauf ich hinaus will, hat auch mit der Atmosphäre zu tun. Kurze Sätze wirken einfach gehetzer und unruhiger.

„Der Fluss zog sich in vielen Windungen durch das Tal. Nur langsam erhob sich die Sonne über die Berge und ihre Strahlen ließen die Landschaft golden erscheinen, sodass über allem eine dunstige Magie lag, die sie nicht begreifen konnte. Ihr Blick schob sich weiter Richtung Norden, dem Land, wo ihr Geliebter auf sie wartete und eine Sehnsucht ergriff ihr Herz.“

Versuchen wir es mal umgekeht mit diesem (zugegeben etwas kitschigen Beispiel). Die Gegenprobe sozusagen.

„Der Fluss zog sich durch das Tal. Langsam erhob sich die Sonne über die Berge. Ihre Strahlen ließen die Landschaft golden erscheinen. Über allem lag eine dunstige Magier. Sie konnte sie nicht begreifen. Ihr Blick schob sich weiter Richtung Norden. Das Land, wo ihr Geliebter auf sie wartete. Sehnsucht ergriff ihr Herz.“

Ich hoffe man merkt, was ich ausdrücken will. Bei den kurzen Sätzen wird deutlich, dass man weniger Formulierungsmöglichkeiten hat und so die Sätze nicht schön ineinander übergehen. Und gerade bei einer so ruhigen Szene geht dadurch viel Atmosphäre verloren.

Kurze oder lange Sätze? Die Frage lässt sich –wie so oft- nicht abschließend und schon gar nicht pauschal beantworten. Wie ich versucht habe deutlich  zu machen, hat die Antwort immer mit dem Inhalt zu tun und selbstverständlich ebenso damit, mit welchen Wörtern der lange Satz konstruiert wird, zum Beispiel sollte man mit dem Anhäufen von Adjektiven vorsichtig sein. Aber auch besonders verschachtelte Sätze lesen sich einfach nicht gut, egal was damit beschrieben wird. Es bleibt also trotzallem dabei:

Es kommt eben doch auf die Länge an!

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Ein Gedanke zu “Über kurz oder lang – oder: Mach mal nen Punkt

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