Montagsfrage #74

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Eine Aktion von Buchfresserchen

Machen Lesespuren im Buch (Annotationen, Unterstreichungen, Besitzvermerke) ein Buch für Dich wertvoller oder mindern sie den Wert?

Ich finde sowas gibt dem Buch erst Charme. Man darf ihm ruhig ansehen, dass es gelesen wurde. Aber ich selbst würde sowas niemals einem Buch antun und etwas hineinschreiben, Eselsohren knicken oder es auf das Gesicht legen. Ich bin da sehr vorsichtig.

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Über kurz oder lang – oder: Mach mal nen Punkt

Manche behaupten sie wären ausgestorben, ein Fossil aus grauen Vorzeiten, aber es gibt sie immer noch: die Bandwurmsätze. Oder besser gesagt: Die langen Sätze. Gefühlt sind sie tatsächlich etwas aus der Mode gekommen, aber dennoch sind sie noch in aktuellen Büchern und Geschichten zu finden. Nun stellt sich die Frage: Ist ihr Einsatz tatsächlich notwendig? Ist er überhaupt sinnvoll oder viel mehr sinnlos?

Meine persönliche Meinung ist ja: Die Mischung macht’s! Eine Geschichte (oder Roman) in der sich Bandwurmsatz an Bandwurmsatz reiht, liest sich einfach umständlich und anstrengend. Man muss sich immer konzentrieren, dass man auch ja den Sinn des ganzen Satzes erfasst, aufpassen, dass man sich am Ende noch an den Anfang erinnert und überhaupt den Faden nicht verliert. Es liegt also in der Natur der Sache, dass sich kurze Sätze einfach schneller lesen und somit den ganzen Textfluss beschleunigen. Deshalb ist es naheliegend, aber dennoch eine Sache, die ich Schreibneulingen immer wieder rate: Kurze Sätze eignen sich für Action-Szenen (eben Szenen in denen etwas passiert), längere Sätze für Beschreibungen.

Stellen wir diese Theorie doch einfach auf die Probe und versuchen uns an einer Action-Szene:

„Der junge Held, zog sein Schwert und stürzte sich mit erhobener Waffe in den Kampf. Ein Gegner trat ihm in den Weg und hob seinen Schild gegen ihn. Mit einem kräftigen Schlag seines Schwertes, bei dem Metall auf Metall traf, zwang er den Gegner in die Knie.“

Gut, keine literaische Meisterleistung, aber hoffentlich als Beispiel genügend. Im Moment sind es drei Sätze, in denen ich kurz das Schwerterschwingen beschreibe. Versuchen wir es mal mit mehr, aber kürzeren Sätzen.

„Der junge Held zog sein Schwert. Mit erhobener Waffe stürzte er sich in den Kampf. Ein Gegner trat ihm mit erhobenen Schild in den Weg. Metall traf auf Metall. Der kräftige Schlag seines Schwertes zwang ihn in die Knie.“

Worauf ich hinaus will, hat auch mit der Atmosphäre zu tun. Kurze Sätze wirken einfach gehetzer und unruhiger.

„Der Fluss zog sich in vielen Windungen durch das Tal. Nur langsam erhob sich die Sonne über die Berge und ihre Strahlen ließen die Landschaft golden erscheinen, sodass über allem eine dunstige Magie lag, die sie nicht begreifen konnte. Ihr Blick schob sich weiter Richtung Norden, dem Land, wo ihr Geliebter auf sie wartete und eine Sehnsucht ergriff ihr Herz.“

Versuchen wir es mal umgekeht mit diesem (zugegeben etwas kitschigen Beispiel). Die Gegenprobe sozusagen.

„Der Fluss zog sich durch das Tal. Langsam erhob sich die Sonne über die Berge. Ihre Strahlen ließen die Landschaft golden erscheinen. Über allem lag eine dunstige Magier. Sie konnte sie nicht begreifen. Ihr Blick schob sich weiter Richtung Norden. Das Land, wo ihr Geliebter auf sie wartete. Sehnsucht ergriff ihr Herz.“

Ich hoffe man merkt, was ich ausdrücken will. Bei den kurzen Sätzen wird deutlich, dass man weniger Formulierungsmöglichkeiten hat und so die Sätze nicht schön ineinander übergehen. Und gerade bei einer so ruhigen Szene geht dadurch viel Atmosphäre verloren.

Kurze oder lange Sätze? Die Frage lässt sich –wie so oft- nicht abschließend und schon gar nicht pauschal beantworten. Wie ich versucht habe deutlich  zu machen, hat die Antwort immer mit dem Inhalt zu tun und selbstverständlich ebenso damit, mit welchen Wörtern der lange Satz konstruiert wird, zum Beispiel sollte man mit dem Anhäufen von Adjektiven vorsichtig sein. Aber auch besonders verschachtelte Sätze lesen sich einfach nicht gut, egal was damit beschrieben wird. Es bleibt also trotzallem dabei:

Es kommt eben doch auf die Länge an!

 

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Montagsfrage #65

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Eine Aktion von Buchfresserchen

Wenn du ein/e Buch/reihe restlos vergessen könntest, um es/sie nochmal neu zu lesen, welche/s wäre das?

Das wäre „Ich bin kein Serienkiller“ von Dan Wells. Ich bin sehr begeistert davon gewesen, aber wenn man gewisse Wendungen schon kennt geht einfach der Überraschungseffekt verloren. Es ist aber inzwischen schon eine Weile her, das ich es gelesen habe und inzwischen könnte ich ihm vielleicht noch einmal eine Chance geben mich zum zweiten Mal zu begeistern.

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Faszination Kreativität

Die Kreativität ist schon eine seltsame Sache. Mal ist sie da und man kann sich als Schreiberling hemmungslos mit Stift und Papier austoben, oder die Tasten klappern lassen, oder sie verbirgt sich irgendwo – in unserem Innersten.

Vor einiger Zeit sah ich den Film mit „Die letzte Klappe“ mit Alec Baldwin, indem es darum ging, dass ein Polizist einen schwer zu fassenden Mafia-Boss überführen wollte. Dafür hat er sich als Filmproduzent ausgegeben und wollte seinen Gegner so dazu zwingen, in illegale Geschäfte einzusteigen, um ihn dann natürlich dafür einzusperren. Die genauen Details sind bei mir nicht unbedingt hängen geblieben, dafür umso mehr wieviel Spaß alle Beteiligten dabei hatten sich als Filmproduzenten auszugeben und (natürlich nur als Vorwand) an diesem Film zu arbeiten. Vom kleinen Mitarbeiter bis hoch in die Führungsebene wurden plötzlich alle kreativ bei der Umsetzung und dem Umschreiben des Drehbuchs. Wie bei einem Fieber wurden sie plötzlich davon angesteckt. Schlussendlich ging es dann doch wieder um die Verhaftung des Mafia-Bosses und auch um die Freundschaft zwischen dem Polizisten und dem Autor des Drehbuchs, aber die plötzlich aufflammende Kreativität war trotzdem deutlich zu spüren.

Was ist also das faszinierende an der Kreativität, dass sich sogar manche Plots genau darum drehen? Denken wir nur an diverse Schriftsteller, die im völligen Kreativloch dahindämmern, bis irgendetwas ungewöhnliches geschieht und sie mit dem Aufschreiben ihrer Geschichte plötzlich wieder auf den Bestseller-Listen landen.

Vielleicht ist es eine Art unsere Träume zu verwirklichen. Wir malen sie uns bunt aus, vom Anfang bis zum Ende und erleben so in unserem Kopfkino die verrücktesten Sachen. Vielleicht ist es auch die Möglichkeit so jederzeit der Realität zu entfliehen. Indem wir uns mit den Problemen unserer Protagonisten beschäftigen, blenden wir unsere eigenen aus.

Vielleicht ist es aber auch das Gefühl etwas eigenes erschaffen zu haben. Allein aus uns heraus. Sei es eine aufgeschriebene Geschichte, das selbstgezimmerte Vogelhäuschen, ein Gemälde, oder das selbst reparierte Auto. Jedes Mal sehen wir das Ergebnis und denken: „Das habe ich gemacht!“

 

Montagsfrage #16

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Eine Aktion von Buchfresserchen

Welches Buch würdest du jemandem empfehlen, der zum ersten Mal ein von dir favorisiertes Genre liest?

Jemanden der ins Krimi-Genre einsteigen will würde ich die Bücher von Donna Leon empfehlen. Ihre Fälle sind oft relativ einfach gestrickt und Commissario Brunetti ist ein netter Ermittler. Zudem gibt es vergleichsweise wenig Gewalt und Venedig als Kulisse ist einfach herrlich. Also ein seichter Einstieg ins Genre und für mich immer ein netter Happen für zwischendurch.

Gemeinsam lesen #195

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Eine Aktion von Schlunzenbücher.de

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
„Narbenkind“ von Erik Axl Sund. Gerade bin ich auf Seite 254.
 
2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?
„Das reformierte Gesetz über Behandlung und Einweisung psychisch kranker Personen, das am 1. Januar 1995 in Kraft trat, hatte dramatische Folgen.“ Ich gebe zu, dass klingt gerade total langweilig, aber das Autorenduo neigt eben dazu am Kapitelanfang etwas zu erklären.
3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?
Es ist ein geliehenes Buch, was etwas besonderes für mich ist. Aber ich will es so unbedingt lesen, dass ich einfach „Ja“ sagen musste, als es mir angeboten wurde. Es ist der zweite Teil der Trilogie und ich kann nur jedem empfehlen es zu lesen, der schon den ersten Teil kennt.
4. Ich lese, weil …
… sich mir neue Welten eröffnen.
… sich mein Kopfkino sowieso nicht abschalten lässt.
… ich so vom Alltag abschalten kann.