Magie und ihre Logik

Magie. Eines der wichtigsten Merkmale des Fantasy-Genres. Sie wird auf vielfache Weise von Zauberern, Magiern, Hexern, oder sonstigen Magiebegabten angewandt. Joanne K. Rowling lässt ihren Harry Potter (der irgendwie oft bei mir als Beispiel herhalten muss, aber fast jedem bekannt ist) ganz klassisch mit Zauberstab und Zaubersprüchen seine Magie wirken. In Brandon Sandersons „Sturmklänge“ ist die Magie mit den Farben verbunden und oftmals entdecken die Helden ihre Magie erst im Laufe ihrer Reise, wie es ja zum Beispiel bei Paolinis „Eragon“ ist.

Vielleicht macht gerade die Magie den Zauber des Fantasy-Genres aus. Die scheinbare Leichtigkeit mit der Wunder bewirkt werden, nichts mehr Unmöglich erscheint. Es gibt Schreiber die sagen, dass sie Fantasy so gerne schreiben, weil eben alles möglich ist. Ja, mit Magie ist alles möglich, aber ist es auch logisch? Ich habe manchmal das Gefühl, dass gerade unerfahrene Schreiber dazu neigen, Logiklöcher mit Magie zu stopfen. Dass die Magie als Erklärung für alles herhalten muss, um die Fehler des Schreibers auszubügeln.

 Wieviel Realismus braucht Magie?

Sicher. Mit Magie ist so vieles möglich, aber dennoch muss sich auch der Zauber an die Rahmenbedingungen der jeweiligen Welt halten. Zum Beispiel dürfen Harry und seine Freunde manche Zauber erst ab einem gewissen Alter ausführen, oder nicht in der Muggelwelt zaubern. Natürlich tun sie es trotzdem, werden dafür aber auch bestraft. Das ist die Logik in dieser Welt. Andere Zauberer hingegen, müssen erst ein bestimmtes Wort, oder einen bestimmten Spruch lernen, um den Zauber wirken zu können. Da würde es aller Logik zuwider laufen, wenn sie es plötzlich doch könnten.

Auch die Magie braucht also ein System. Rahmenbedingungen, an die sie sich halten sollte. Warum ist das so? Warum sollte ich Magie, die doch alles kann, einschränken?

  • Um den Realismus zu wahren. Niemand kann alles. Spiderman kann nicht fliegen. Er braucht seine Spinnweben, um sich über die Dächer zu schwingen, Superman hat sein Kryptoid und Harry ist noch ein junger und unerfahrener Zauberer.
  • Um Spannung zu erzeugen. Es ist schlicht langweilig, wenn der Held alles kann und so schon von Beginn an klar ist, dass er die Welt retten, oder den Schurken zur Strecke bringen wird. Das Ende kann natürlich so sein, aber der Weg dahin, sollte die Spannung und das Buch aus machen.
  • Um den Helden menschlich wirken zu lassen. Denn das macht ihn symphatisch. Ist er unnahbar und kann alles, wird er schnell langweilig und unsymphatisch. Lass ihn Fehler machen und haben. Fast alle Superhelden führen ein zweites Leben unter den Menschen und genau damit sammeln sie Symphatiepunkte und werden für uns greifbar. Superhelden hinken hier als Beispiel etwas, weil sie ja nicht Zaubern, sondern ihre Fähigkeiten haben, aber ich finde gerade das Doppelleben macht deutlich, was ich meine.

 

Der Weg der Magie – Der Weg des Helden

Der bereits erwähnte Eragon ist ein typisches Beispiel für diesen Weg. Zu Beginn ist er ein ganz normaler Junge, der dann durch die Verkettung der Umstände dazu gezwungen wird seine Heimat zu verlassen. Auf diesem Weg entdeckt er sein Talent für die Magie und lernt im weiteren Verlauf immer mehr dazu. Harry Potter ergeht es ähnlich: Hier dreht sich sogar die ganze Reihe (mehr oder weniger) um die Magierschule Hogwarts.

Auch hier finden wir wieder die oben erwähnten Tipps: Keiner von beiden lernt sofort alle Zauber perfekt anzuwenden. Es gibt immer wieder Rückschläge, schief gegangene Zauber und Fehler der beiden Helden.

Im Gegensatz dazu gibt es aber auch Magier, die wir bereits voll ausgebildet kennenlernen. Sie setzen ihr Talent ganz selbstverständlich und natürlich ein, ohne das hier die Magie besonders hervorgehoben wird. Bei Brandon Sandersons „Sturmklänge“ zum Beispiel, wird einfach drauflos gezaubert, aber auch über Gandalfs Ausbildung zum grauen Zauberer erfahren wir nichts. Insbesondere an Tolkiens Elben sieht man, dass die Magie ganz natürlich nach Mittelerde gehört.

Hier werden die drei Tipps etwas anders umgesetzt. Die Spannung wird durch Frodos Weg erzeugt, der aus unterschiedlichen Gefahren besteht. Aber auch hier gibt es immer wieder Rückschläge, neue Gefahren für die Gefährten und Fehler, die sie machen. Dadurch wirken sie symphatisch, greifbar und auch der Realismus, dass eben nie etwas auf anhieb funktioniert bleibt erhalten.

Aber egal welche Rolle die Magie spielt, ob sie etwas besonderes in der Menschenwelt ist, oder einfach dazu gehört, wie Luft und Wasser: Sie muss sich an die Regeln dieser Welt halten.

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3 Gedanken zu “Magie und ihre Logik

  1. Auch wenn ich jetzt ein Thema weniger habe, über das ich schreiben kann: Ein toller Artikel, dem wirklich nichts hinzuzufügen ist. 🙂

    Ich verstehe nie so recht, wieso so viele Autoren meinen, Magie eine Sonderstellung gegenüber anderen stilistischen Entscheidungen einzuräumen. Für Magie (und andere übernatürliche Elemente) sollten die gleichen Regeln gelten wie für alles andere, das eine gute Geschichte ausmacht – du sagst es ja bereits: innere Logik, kein deus ex machina, keine Verletzung der eigenen Regeln.

    Liebe grüße,
    pw

    Gefällt mir

    1. Das ist es schon irgendwie schade, dass du jetzt ein Thema weniger hast, ich hätte den Artikel sicher mit Begeisterung gelesen. 😉
      Ich glaube es liegt wirklich daran, dass Magie tatsächlich etwas besonderes ist und damit eben so viele Probleme lösbar werden. Das macht ja schon die Faszination des Genres aus. 🙂

      LG Sophie

      Gefällt 1 Person

      1. Ach, heißt ja nicht, dass ich nicht irgendwann in ferner Zukunft nicht doch drüber schreibe.
        Aber dein Artikel war halt schon ziemlich umfangreich, da muss man nicht mehr viel zu sagen.

        Vielleicht finde ich aber ja noch einen neuen Zugang zu dem Thema. Für diesen Monat zumindest bin ich ja schon ausgebucht mit meinem Horror-Fokus.

        Liebe Grüße,
        pw

        Gefällt 1 Person

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