Schreib mit mir: Versandet

„Schreib mit mir“ ist eine Aktion von Offen Schreiben.

Versandet

Die Wächter waren fort. Ganz plötzlich. Keiner der Gefangenen hatte sie fortgehen sehen. Es war als ob sie sich in Luft aufgelöst hätten.
Als Kasani an diesem Morgen erwachte wusste er, dass er etwas verpasst hatte. Es war nicht das übliche Gefühl etwas vergessen zu haben, sondern bei etwas nicht dabei gewesen zu sein.
Doch als er sah, dass seine Zellentür offen stand, vergaß er die müßigen Überlegungen und erhob sich von seiner Pritsche.

Die Anderen standen ebenso ratlos in ihren Zellentüren und unterhielten sich flüsternd miteinander, als ob sie befürchteten, dass die Wärter doch noch irgendwo lauern würden. Kasani wusste, dass es nicht so war, aber woher er das wusste, war ihm selbst ein Rätsel. Er war vor zwölf Jahre zu dieser Strafe verurteilt worden und in all der Zeit war es noch nie vorgekommen, dass er nicht von Wächtern aus seinen Träumen gerissen wurde, oder das wenigstens ein Wärter auf den Fluren seine Runden drehte. Dass die Türen plötzlich offen standen war etwas Unmögliches. Die Wärter mussten fort sein, sonst wäre schon längst Alarm geschlagen worden. Aber er behielt seine Gedanken für sich. Stattdessen gesellte er sich stumm zu seinen Zellennachbarn. Ardito und Raimi steckten die Köpfe zusammen, so dass er nur ihr Flüstern hörte. Sie trauten sich nicht laut zu sprechen, als ob sie befürchteten, dass die Wächter sie hören könnten.
„Sie sind fort“, sagte jemand laut, als ob es so vielleicht weniger unglaublich wurde.
„Wir können tun, was wir wollen“, stellte Raimi fest und Kasani hörte ihm an, dass er nicht wusste, was genau er jetzt überhaupt tun wollte.
„Lasst uns frühstücken“, schlug Ardito vor. Seine Körperfülle verriet in keinster Weise, dass er schon zehn Jahre lang nur die spärliche Gefängniskost zu Essen bekam. Stumm folgten sie ihm und warfen sich gegenseitig misstrauische Blicke zu. Sie vermuten, dass vielleicht doch ein Wärter unter uns ist, versuchte Kasani ihre Blicke zu deuten. Unbeholfen holten sie sich ihr Frühstück und kauten schweigend darauf herum. Die Freiheit ist ihnen nicht geheuer, stellte Kasani fest.
„Was tun wir jetzt?“, fragte Ardito. Seine Stimme klang zögernd, als ob er die Antwort nicht wissen wollte.
„Wir könnten fliehen!“, schlug jemand vor. Kasani wusste nicht, wer es war, denn alle riefen ihre Vorschläge durcheinander.
„Seid still!“ Raimi stand auf und beendete den Tumult.
„Wir müssen jetzt zusammenhalten“, er sprach so laut, dass seine Stimme durch den Saal halte. Bis zu den hintersten Plätzen.
„Wir wissen nicht, warum die Wächter fort sind. Wir wissen auch nicht, ob sie wiederkommen“, fasste er die die Situation zusammen, die aus Nichtwissen bestand.
„Aber eines weiß ich genau: Zu Fuß wird uns eine Flucht niemals gelingen.“

Sie hatten sich aufgeteilt. In zweier Gruppen durchsuchten sie das Gefängnis. Wonach sie suchten, wussten sie allerdings nicht. Kasani schritt neben Raimi die Flure ab und stellte fest, dass er einige davon  nie betreten hatte und wie klein seine Welt geworden war. Keine Tür und kein Schloss hielt sie auf. Stumm lauschten sie in die Dunkelheit vor ihnen. Stille antwortete ihnen. Sie hatten eine Lampe dabei, doch deren Schein erhellte die Schwärze nur unzureichend. Ihre Schritte waren das einzige Geräusch, welches sie hörten. Raimi blieb stehen und bedeutete Kasani es ihm gleich zu tun. Sie lauschten, doch sie hörten nur ihre eigenen Herzschläge und Atemzüge. Ein Knirschen, drang an ihre Ohren. Wie Schritte im Sand. Raimi hob die Lampe, Kasani kniff die Augen zusammen und versuchte die Dunkelheit zu durchdringen. Das Geräusch kam näher. Auf sie zu.
„Lauf!“, stieß Raimi hervor, Panik in der Stimme. Kasani folgte dem schwächlichen Licht der Lampe, dass sandige Knirschen im Rücken. Gerade hatte er Hoffnung geschöpft, dass sie vielleicht entkommen konnten, als sein Fuß gegen etwas stieß. Raimi schien es ebenso zu gehen, denn er stieß einen Fluch aus. Sie stolperten beide und fielen bäuchlinges auf den harten Boden. Das Geräusch erklang dicht hinter ihnen und wurde so laut, dass es jede Hoffnung zunichte machte. Trotz der Dunkelheit schloß er ergeben die Augen. Dann fegte der heiße Wind über sie hinweg.

„Es ist hier und schleicht durch die Flure“, gab Raimi bekannt und erntete betretenes Schweigen.
„Die Wächter? Sind sie …?“ Ardito wagte es nicht einmal die Frage zu Ende zu denken.
Raimi schüttelte den Kopf.
„Wir haben niemanden gefunen. Nicht mal ihre Leichen.“ Erneutes Schweigen.
„Wir sollten nachsehen, ob das Eingangsportal ebenfalls offen ist.“ Kasani gewann den Eindruck, dass sich Raimi in seiner neuen Führungsposition gefiel. Aber ihm war es recht. Er fühlte sich in der hintersten Reihe – wo er alles beobachten konnte – am wohlsten. Dennoch wollte Raimi, dass er ihn begleitete.

„Wo ist Ardito?“ Raimi blickte in die Runde. Noch bevor sie berichten konnten, dass das Eingangsportal ebenso offen stand wie alle anderen Türen und das sich auch hier keine Spur von den Wächtern, oder dem Weg,den sie genommen hatten, gezeigt hatte, war das Fehlen des ängstlichen Riesen aufgefallen.
„Er ist tot.“
„Zeigt ihn mir!“, befahl Raimi. Stumm folgte Kasani ihm.
Ardito lag auf dem Rücken und starrte mit leerem Bick gen Decke. Der Schrecken stand ihm ins Gesicht geschrieben, doch viel mehr sah man von ihm nicht. Er war über und über mit dunklem, nassen Sand bedeckt.
„Sie haben ihn sich geholt“, flüsterte jemand.
„Wir müssen hier weg.“ Es war eine nüchterne Feststellung, die Raimi traf.

„Zu Fuß schaffen wir dass niemals.“ Jemand hatte genau das ausgesprochen, was Kasani gedacht hatte.
„Hier drin erwartet uns nur der Tod“, gab Raimi zu bedenken.
„Dort draußen auch.“ Es war als ob Ardito zu ihnen sprechen würde. Der furchtsame Hüne hätte dasselbe gesagt.
„Jetzt weiß ich auch, warum noch niemand die Flucht gelungen ist“, raunte Tawda. „Und warum beim Transport die Fenster verhangen waren.“
Vor ihnen erstreckte sich, soweit das Auge sehen konnte, heißer Wüstensand. Ein makelloser blauer Himmel und eine glühend heiße Sonne überspannten ein paar Palmen.
„Wie sind die Wächter bloß von hier entkommen?“, Raimi klang nachdenklich.
„Und wenn sie nicht entkommen sind?“, Kasani hatte bisher nicht gesprochen. Es erschien ihm nicht notwendig zu sein. Seine Stimme klang ungeübt und finster.
„Wenn mit ihnen dasselbe passiert ist, wie mit Ardito?“, führte Tawda den Gedanken fort.
Schweigen antwortete ihm, sie dachten es alle und Kasani sprach es aus: „Wenn dasselbe mit uns passiert?“

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Magie und ihre Logik

Magie. Eines der wichtigsten Merkmale des Fantasy-Genres. Sie wird auf vielfache Weise von Zauberern, Magiern, Hexern, oder sonstigen Magiebegabten angewandt. Joanne K. Rowling lässt ihren Harry Potter (der irgendwie oft bei mir als Beispiel herhalten muss, aber fast jedem bekannt ist) ganz klassisch mit Zauberstab und Zaubersprüchen seine Magie wirken. In Brandon Sandersons „Sturmklänge“ ist die Magie mit den Farben verbunden und oftmals entdecken die Helden ihre Magie erst im Laufe ihrer Reise, wie es ja zum Beispiel bei Paolinis „Eragon“ ist.

Vielleicht macht gerade die Magie den Zauber des Fantasy-Genres aus. Die scheinbare Leichtigkeit mit der Wunder bewirkt werden, nichts mehr Unmöglich erscheint. Es gibt Schreiber die sagen, dass sie Fantasy so gerne schreiben, weil eben alles möglich ist. Ja, mit Magie ist alles möglich, aber ist es auch logisch? Ich habe manchmal das Gefühl, dass gerade unerfahrene Schreiber dazu neigen, Logiklöcher mit Magie zu stopfen. Dass die Magie als Erklärung für alles herhalten muss, um die Fehler des Schreibers auszubügeln.

 Wieviel Realismus braucht Magie?

Sicher. Mit Magie ist so vieles möglich, aber dennoch muss sich auch der Zauber an die Rahmenbedingungen der jeweiligen Welt halten. Zum Beispiel dürfen Harry und seine Freunde manche Zauber erst ab einem gewissen Alter ausführen, oder nicht in der Muggelwelt zaubern. Natürlich tun sie es trotzdem, werden dafür aber auch bestraft. Das ist die Logik in dieser Welt. Andere Zauberer hingegen, müssen erst ein bestimmtes Wort, oder einen bestimmten Spruch lernen, um den Zauber wirken zu können. Da würde es aller Logik zuwider laufen, wenn sie es plötzlich doch könnten.

Auch die Magie braucht also ein System. Rahmenbedingungen, an die sie sich halten sollte. Warum ist das so? Warum sollte ich Magie, die doch alles kann, einschränken?

  • Um den Realismus zu wahren. Niemand kann alles. Spiderman kann nicht fliegen. Er braucht seine Spinnweben, um sich über die Dächer zu schwingen, Superman hat sein Kryptoid und Harry ist noch ein junger und unerfahrener Zauberer.
  • Um Spannung zu erzeugen. Es ist schlicht langweilig, wenn der Held alles kann und so schon von Beginn an klar ist, dass er die Welt retten, oder den Schurken zur Strecke bringen wird. Das Ende kann natürlich so sein, aber der Weg dahin, sollte die Spannung und das Buch aus machen.
  • Um den Helden menschlich wirken zu lassen. Denn das macht ihn symphatisch. Ist er unnahbar und kann alles, wird er schnell langweilig und unsymphatisch. Lass ihn Fehler machen und haben. Fast alle Superhelden führen ein zweites Leben unter den Menschen und genau damit sammeln sie Symphatiepunkte und werden für uns greifbar. Superhelden hinken hier als Beispiel etwas, weil sie ja nicht Zaubern, sondern ihre Fähigkeiten haben, aber ich finde gerade das Doppelleben macht deutlich, was ich meine.

 

Der Weg der Magie – Der Weg des Helden

Der bereits erwähnte Eragon ist ein typisches Beispiel für diesen Weg. Zu Beginn ist er ein ganz normaler Junge, der dann durch die Verkettung der Umstände dazu gezwungen wird seine Heimat zu verlassen. Auf diesem Weg entdeckt er sein Talent für die Magie und lernt im weiteren Verlauf immer mehr dazu. Harry Potter ergeht es ähnlich: Hier dreht sich sogar die ganze Reihe (mehr oder weniger) um die Magierschule Hogwarts.

Auch hier finden wir wieder die oben erwähnten Tipps: Keiner von beiden lernt sofort alle Zauber perfekt anzuwenden. Es gibt immer wieder Rückschläge, schief gegangene Zauber und Fehler der beiden Helden.

Im Gegensatz dazu gibt es aber auch Magier, die wir bereits voll ausgebildet kennenlernen. Sie setzen ihr Talent ganz selbstverständlich und natürlich ein, ohne das hier die Magie besonders hervorgehoben wird. Bei Brandon Sandersons „Sturmklänge“ zum Beispiel, wird einfach drauflos gezaubert, aber auch über Gandalfs Ausbildung zum grauen Zauberer erfahren wir nichts. Insbesondere an Tolkiens Elben sieht man, dass die Magie ganz natürlich nach Mittelerde gehört.

Hier werden die drei Tipps etwas anders umgesetzt. Die Spannung wird durch Frodos Weg erzeugt, der aus unterschiedlichen Gefahren besteht. Aber auch hier gibt es immer wieder Rückschläge, neue Gefahren für die Gefährten und Fehler, die sie machen. Dadurch wirken sie symphatisch, greifbar und auch der Realismus, dass eben nie etwas auf anhieb funktioniert bleibt erhalten.

Aber egal welche Rolle die Magie spielt, ob sie etwas besonderes in der Menschenwelt ist, oder einfach dazu gehört, wie Luft und Wasser: Sie muss sich an die Regeln dieser Welt halten.

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Gemeinsam lesen #184

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Eine Aktion von Schlunzenbücher.de

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
Ich lese endlich „Eisiges Grab“ von Robert Masello. Gerade bin ich auf Seite 202.
 
2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?
„Verdammt nochmal“, knurrte Harley, „pass auf, wo du das Tau hinwirfst.“
 
3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?
Ich freue mich sehr, dass ich endlich dazu komme es zu lesen. Robert Masello erscheint mir immer noch wie ein Geheimtipp im Mystery-Thriller-Genre. Aber ich mochte es schon bei „Eisiges Blut“ sehr, wie er das phantastische Element mit dem realistischen Teil verwebt. Das ist hier auch schon zu erkennen. Man glaubt ihm einfach, dass es diese übernatürlichen Dinge geben könnte.
4. Führt Ihr Listen über Eurer Leseverhalten?
Sehr grob. Ich mache mir immer zu Beginn des Jahres eine Liste mit Büchern, die ich lesen möchte und  halte mich auch überwiegend daran. Ich hake dann natürlich ab, was ich erledigt habe, aber ich schreib mir nicht auf, wann ich was gelesen habe.

Montagsfrage #06

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Eine Aktion von Buchfresserchen

Von welchem Buch/welcher Reihe möchtest du dich nie trennen?

Da gibt es mehrere: Die Harry-Potter-Reihe: Weil sie mich durch meine Jugendjahre begleitet hat.

Die Dave-Gurney-Reihe von John Verdon: Weil ich ihn einfach so gerne lese.

Dasselbe gilt für die Robert-Landon-Reihe von Dan Brown.

Und natürlich die Brunetti-Reihe von Donna Leon: Einfach weil ich Venedig so gerne mag.