Liebster Blog Award

Ganz überraschend hat mich Philip Will für den Liebster Blog Award nominiert. Da ich ja sowieso immer gerne Fragen über meine Lesegewohnheiten beantworte, mach ich doch einfach mal mit.

Die Regeln:

  • Danke der Person, die dich für den Liebster Award nominiert hat und verlinke ihren Blog in deinem Artikel.
  • Beantworte die 11 Fragen, die dir der Blogger, der dich nominiert hat, stellt.
  • Nominiere 5 bis 11 weitere Blogger für den Liebster Award.
  • Stelle eine neue Liste mit 11 Fragen für deine nominierten Blogger zusammen.
  • Schreibe diese Regeln in deinen Liebster Award Blog-Artikel.
  • Informiere deine nominierten Blogger über den Blog-Artikel.

Und hier Philips Fragen:

1. Was ist dein Lieblingsbuch – obwohl es folgende Fehler hat?
Ich glaube so ein richtiges Lieblingsbuch habe ich gar nicht. Aber eines meiner Lieblingsbücher mit Fehlern dürfte wohl „Es“ von Stephen King sein. Manche Teile sind wirklich ausschweifend.

2. Wie lautet deine Meinung zu Hörbüchern?
Hörbücher sind nicht so meins. Ich lese lieber selbst.

3. Würdest du in der Welt deines Lieblingsbuchs leben wollen? Warum (nicht)?
Um bei King-Romanen zu bleiben: Ja in der mittelalterlichen Welt aus „Der Talisman“ würde ich gerne mal leben. (Zumindest vorübergehend)

4. Hast du jemanden, mit dem du im echten Leben über Bücher diskutieren kannst?
Ja habe ich. Sowohl im Familien, als auch im Freundeskreis.

5. Deutsche Übersetzung oder Originalausgabe?
Übersetzung. Fremdsprachen lesen ist nicht so meins.

6.  Sind alle Charaktere in einem Buch Facetten des Autoren? (Alternativ: Sollte man zwischen Autor und Buch klar trennen?) Warum (nicht)?
Ich glaube teilweise ist das vielleicht so. Beim Schreiben kommt ja alles aus einem heraus und es bleibt bestimmt die ein oder andere Facette an einem Charakter hängen. Aber ich glaube auch, dass das nicht bei allen Charakteren so sein kann. So viele Facetten hat man ja dann doch nicht.

7.  Hörst du Musik beim Lesen? Und wenn du schreibst: Hörst du Musik beim Schreiben? Welche?
Nein. Meine Lese- und Schreibatmosphäre besteht aus Ruhe. Sonst lenkt mich zuviel ab.

8.  Existiert für dich die Trennung zwischen „richtiger“ Literatur und Genre?
Nein. Ich denke, dass sich auch diese so genannte „richtige“ Literatur in Genres einordnen lässt. Sei es dann bei Belletristik, Drama oder Krimi. Sowieso find ich es ein bisschen fraglich warum man immer alles in Schubladen einordnen sollte. Am Ende zählt nur eins: Entweder mir gefällt das Buch, oder nicht.

9. Welches Buch ist deine „guilty pleasure“?
Ganz allgemein Jugend-Fantasy. Zuletzt die Sturmwelten-Trilogie von Heide Solveig Göttner. Es ist einfach schön, mal den Kopf etwas abschalten zu können und sich durch die einfache Handlung tragen zu lassen.

10. Sollten Autoren Charaktere einfügen um bestimmte Demographien anzusprechen?
Nein, sollten sie nicht. Zumindest nicht, um nur irgendwelche Qoten zu erfüllen. Es muss schon zur Geschichte passen.

11. Ebook oder physisches Buch? Oder beides?
Richtiges, physikalisches Buch. Ich mag den Duft des Papieres und das Geraschel beim Blättern.

Meine Nominierungen:

1. Schlunzenbücher
2. Buchfresserchen
3. Leselurch
4.Booksparadise
5. Tintentick

Und nun noch meine Fragen:

  1. Welches Buch hast du schon mehrmals gelesen?
  2. Benutzt du ein Lesezeichen, oder bist du ein Eselohr-Typ?
  3. Wo ist dein Lieblings-Lese-Platz?
  4. Welches Buch, dass du beendet hast, würdest du sofort wieder lesen?
  5. Zu welchem Buch wünscht du dir eine Verfilmung?
  6. Verbindest du mit einem Buch eine bestimmte Musik? Wenn ja, warum?
  7. Das schlechteste Buch in diesem Jahr ist für dich …?
  8. Welches Buch hat dich zuletzt richtig gefesselt?
  9. Welchen Protagonist würdest du gerne mal treffen?
  10. Was muss passieren, damit du ein Buch abbrichst?
  11. Vor welchem Antagonist hast du dich zuletzt richtig gefürchtet?

Montagsfrage #22

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Eine Aktion von Buchfresserchen

Würdest du dein aktuelles Buch nach jetzigem Stand weiterempfehlen?

Ich lese gerade „Bestrafung“ von Steffen Jacobsen.

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Ja, ich würde es weiterempfehlen. Lene Jansen ist eine interessante Kommissarin und das Terror-Anschlag-Thema ist natürlich sehr aktuell. Obwohl es im Thriller-Genre noch andere Bücher gibt, die ich vielleicht eher bevorzugen und weiterempfehlen würde, wie zum Beispiel was von Sharon Bolton oder John Verdon.

 

Der Horror aus dem Nichts

Schritte auf dem Boden. Stiefelsohlen auf Holzdielen. Schweres Atmen und unstete Blicke. Schweiß stand auf seinen Lippen, Panik in seinen Augen. Wie er in dieses verdammte, leere Haus gekommen war, wusste er nicht. Und erst recht nicht, wie er wieder hinaus kommen sollte. Sie lauerten überall. In den Schatten. Bereit ihn zu vernichten. Jederzeit. Ein weiterer Schritt, ein weiterer zögerlicher Blick in die Finsternis. Dann hörte er einen Schrei, ein Keuchen. Zwei hektische Atemzüge tat er noch, bevor die Hölle ihn entgültig verschlang.

Ich mag ihn. Den Horror aus dem Nichts. Wenn die Nerven zum zerreißen gespannt sind und man hinter jeder Ecke das Grauen erwartet. Ähnlich wie beim Grauen hinter der Tür, macht hier nicht das Blutvergießen den Grusel aus, sondern das, was nicht passiert, das was in der Vorstellung aber passieren könnte.

Das ist ein Trick den schon viele angewandt haben: Egal ob Sigourney Weaver sich durch die halbleere Raumstation in „Alien“ schleicht, ob Milla Jovovich ohne Gedächtnis durch die unterirdische Station in „Resident Evil“ gezerrt wird, oder wir ganz klassisch das Auftauchen Norman Bates in seinem Motel in „Psycho“ erwarten. Jedes Mal befürchten wir das etwas in den Schatten lauert und uns anspringt. Ebenso lassen sich hier genügend Beispiele in der Literatur finden: Harry Potter streift zum Beispiel durch den Wald, um die Riesen-Spinne Aragog zu finden. Oder auch beim „Hund von Baskerville“. Bei Doktor Watsons Streifzügen über das Moor erwarten wir auch, dass jederzeit jemand oder etwas aus dem Nebel auftaucht und uns angreift.

Beispiele lassen sich hier wahrscheinlich in allen Genres finden, aber natürlich finden sie sich hauptsächlich im Horror-Genre.

Zum Beispiel „Shining“ von Stephen King (der diesen Trick noch öfter anwendet) ist hier wohl schon fast ein Klassiker. Familie Torrance hält sich ganz alleine in diesem riesigen Hotel auf, der kleine Danny sieht gruselige Gestalten und man erwartet gerade zu, dass gleich etwas passiert.

Diversen Ermittlern, Polizisten und Detektiven ist es selbstverständlich auch schon so gegangen: Auf der Suche nach dem Mörder schleichen wir durch enge Gassen (natürlich bei Nacht und Nebel) und erwarten, dass der Gesuchte hinter einer Ecke hervorspringt.

Meine kleine Beispielszene ist natürlich zu kurz, um dem gewünschten Effekt die richtige Wirkung zu verleihen, aber ich hoffe es reicht, um zu zeigen, was ich meine. Ich würde ja unheimlich gerne auch mal so eine richtig gruselige Geschichte schreiben, mit genau diesen Horror-Effekt. Was brauche ich dazu?

  • Einen symphatischen Charakter (Um wen sollte ich mir sonst Sorgen machen?)
  • Einen gefährlichen Gegner (Warum sollte ich mir sonst Sorgen machen?)
  • Die passende Atmosphäre (Der klassische Nebel, die klassische Dunkelheit, oder doch die verspukte Villa?)

Viel mehr Zutaten braucht es eigentlich nicht, weil sich das meiste aus dem Protagonisten heraus ergibt, z.b. seine Motivation das Spukhaus zu betreten, seinen Überlebenswillen bei der Flucht durch den dunklen Wald. Auch die Gefährlichkeit des Antagonisten muss hier genug Motivation bieten: Wir müssen ihm jederzeit zutrauen uns anzugreifen, zu verletzten, oder sogar zu töten.

Betrachten wir uns nochmal Familie Torrance in ihrem Hotel: Uns ist schnell der kleine Danny ans Herz gewachsen (bei Kindern ist das sicherlich nicht allzu schwierig), wir fiebern also mit ihm mit, ob er die Geschichte überlebt. Die Gegner sind hier zunächst „nur“ Geister, doch nach und nach verschwimmt hier die Realität, sodass auch diese gefährlich für unsere Familie werden können. Nicht zuletzt wird dann auch noch Familienoberhaupt Jack zum Gegner, der theoretisch hinter jeder Tür lauern kann.

Zur Atmosphäre trägt das leere Hotel entscheidend bei. Leere, große Räume wirken allein schon wegen ihrer Größe erschreckend, weil man weiß, dass dort noch andere Menschen sein sollten. Ebenso ist es mit den vielen leeren Zimmern, man weiß nie so genau, ob sie wirklich leer sind und welcher Spuk hinter ihnen lauert. Die Abgeschiedenheit verstärkt diesen Effekt noch. Man weiß genau, dass es keinen Ausweg, keine Flucht gibt.

King arbeitet oft noch mit einer Portion Übernatürlichen, welche zum Horror-Genre fast schon dazu gehört und den Effekt noch unterstützt.

Der Horror aus dem Nichts ist eigentlich der Horror, bei dem gerade nichts passiert. Mit geifernden Zombies, ratternden Gewehrschüssen und kreischenden Mördern kommen wir zurecht. Wir sehen sie, wissen und können uns vorstellen, was passiert. Aber was in der Dunkelheit der Schatten lauert, sehen wir nicht und gerade das ist erschreckend.

Montagsfrage #3

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Eine Aktion von Buchfresserchen

Gibt es Erzähltechniken, die dich beim Lesen stören?

Ja klar. Ich habe mal ein Buch gelesen, in dem der Autor manche Szenen zweimal erzählt hat. Einmal aus der Sicht des einen Protagonisten, dann aus der Sicht des zweiten. Natürlich nicht gleich nacheinander, sondern dazwischen kam noch der zweite Handlungsstrang. Im ersten Moment fand ich es natürlich total iritierend. Im zweiten fand ich es nicht schlecht, weil man dann auch erfahren hat, wie der andere Protagonist darüber denkt. Schlussendlich fand ich es aber doch eher störend, weil man so in der Handlung nicht voran gekommen ist. Eines der wenigen Bücher, die ich nicht nochmal lesen möchte, zumal es auch noch ein Jugendbuch war von dem ich insgesamt nicht so begeistert war.

Die Geschichte schreibt sich selbst

Es gibt ihn. Diesen einen magischen Moment. Die Worte fließen einem nur aus den Fingern, unaufhaltsam, treiben die Geschichte voran, die Charaktere tun genau das richtige und alles strebt einem großartigen Ende entgegen. Der magische Moment in dem sich die Geschichte selbst schreibt, die Charaktere aus sich heraus handeln und man als Autor „nur noch“ mitschreiben muss.

Das sind die Momente, die ich mag. Dann bin ich völlig abgetaucht in meiner Geschichte, bei meinen Charakteren, in meiner Welt. Leider ist es so, dass sich dieser Moment, dieses Gefühl nicht immer so einstellt, wie ich das gerade gebrauchen könnte.

Aber vielleicht gibt es ja eine Möglichkeit, diesen Moment aus seinem Versteck zu locken? Ich glaube mit ein paar Vorbereitungen kann man dafür schon eine gute Voraussetzung schaffen.

  • Mach es dir gemütlich! Schaffe dir eine Schreibatmosphäre, die dir gefällt. Hörst du gerne Musik beim Schreiben? Oder brauchst du Stille? Sitzt du gerne gemütlich auf der Couch, oder bauchst du einen Schreibtischarbeitsplatz? Richte es dir so ein, dass du dort gerne bist. Denn: Wenn du dich nicht wohl fühlst, oder abgelenkt wirst, kannst du  dich nicht auf‘s Schreiben konzentrieren.
  • Plane voraus! Mir ist es schon oft passiert: Ich möchte unbedingt schreiben, weiß aber nicht so genau was. Dann beginne ich irgendwo, wechsle dann wieder in eine andere Geschichte oder einen anderen Abschnitt und bin zum Schluß weder mit dem einen, noch dem anderen zufrieden.
  • Lerne deine Charaktere kennen! Du verbringst eine Menge Zeit mit ihnen, schreibst über sie in allen Lebenslagen und begleitest sie auf einem langen Weg. Also lerne deine Reisegefährten kennen. Mach dir Gedanken wer sie sind, ob sie Macken haben, oder besondere Eigenschaften, was sie bisher erlebt haben und wer sie am Ende der Geschichte sein sollen. Nur, wenn du sie gut kennst, kannst du auch lebensecht wirken lassen und dann tun sie auch das, was sie für die Geschichte tun müssen.
  • Befreie dich von allem anderen! Du hast den Kopf voll? Mit Terminen, Familie, Arbeit, Haus und Hof, Katz und Maus? Dann nimm dir einen Zettel und schreib dir alles auf. Später kannst du das alles noch erledigen, aber erstmal: Nimm dir Zeit für dich und das was du gerne machst: Das Schreiben. Und wenn es nur eine Stunde ist.006

Montagsfrage #7

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Eine Aktion von Buchfresserchen

Bevorzugt ihr Reihen oder Einzelbände?

Ich lese eher Einzelbände. Es ist mir schon ein paarmal passiert, dass ich den Klappentext oder die Leseprobe eines Buches gelesen habe und dann feststellen musste, dass es sich um einen Teil einer Reihe handelte, was dazu geführt hat, dass ich es doch von meiner Leseliste gestrichen habe.

Es kann aber auch passieren, dass mir irgendwie der erste Band einer Reihe in die Finger fällt und ich dann doch dran bleibe, aber die Reihen die ich gelesen habe kann man an einer Hand abzählen.

 

Weg damit! – Der Infodump

Infodump (Dump=Müllhalde=Informations-Müllhalde)

Den wohl bekanntesten Infodump hat Umberto Eco in seinem Roman „Der Name der Rose“ verfasst. Wer kennt nicht die berühmte Szene, in der der junge Adson von Melk vor dem Klosterportal steht und sich die Reliefs über dem Eingang anschaut. An sich ist das natürlich kein Problem, aber diese Informationsflut erstreckt sich über fast zwei Seiten. Man kann natürlich über den Sinn und Zweck dieser Szene diskutieren. Sie trägt dazu bei, zu zeigen, welche Angst Adson vor den Figuren, bzw. vor dem was sie darstellen hat. Ein Stück weit zeigt es auch seinen (Aber)Glauben, oder eine Art Version – hier ist viel Platz für Interpretationen.

Aber ist dazu wirklich eine solange Beschreibung notwendig? Ganz klar: Nein! Gerade weil es sich hier um den Hauptprotagonisten handelt, weiss man eigentlich immer Bescheid, was er gerade so denkt, fühlt und Visionen kann man ebenso gut in spannenden Träumen verpacken.

Ein weiteres Beispiel für Infodump: Ich habe neulich einen Romananfang gelesen, in dem sich zwei Mädchen miteinander unterhalten. Eine der jungen Frauen erzählt ihrer besten Freundin von ihrem Verlobten. Was macht besagte beste Freundin? Sie denkt fünf Zeilen lang über diesen Mann nach. Wie er heißt, wie alt er ist, was er beruflich macht, wo er arbeitet und schließlich noch wie lange sie sich kennen und wie es zu der Verlobung kam.

An dieser Stelle muss man sich drei Dinge fragen:

  • Erstens: Würde das jemand tatsächlich so denken? Sie sprechen immerhin über jemanden, den sie beide kennen. Beiden sind diese ganzen Fakten bekannt. Also würde wohl auch niemand so darüber nachdenken.
  • Zweitens: Muss der Leser all diese Fakten zu diesem Zeitpunkt der Geschichte kennen? Wieder ganz klar: Nein! Für mich als Leser wird eigentlich von alleine klar, dass es sich hier um den Verlobten handelt (da vorher eindeutig über den Verlobungsring geredet wurde). Alle anderen Informationen finde ich erstmal nicht interessant, sondern ich möchte erfahren, wo denn nun die Probleme zwischen dem Paar sind und warum die Mädchen überhaupt darüber reden.
  • Drittens: Ist der Verlobte für den weiteren Verlauf wichtig? Falls nicht, brauche ich auch keine weiteren Informationen über ihn. Sein Alter zum Beispiel kann ich mir herleiten. Im Dialog kann man vielleicht noch etwas zu seinem Äußeren einbringen und das genügt für den Moment schon, um dem Gespräch folgen zu können.

Ist er doch noch wichtig, brauche ich doch noch weitere Informationen über ihn? Wenn ja, dann sollte es auch kein Problem sein, ihn noch weiter zu beschreiben. Sie könnten zum Beispiel abends auf der Couch über seinen harten Arbeitstag reden, er könnte davon sprechen, dass er von seinen älteren Kollegen nicht akzeptiert wird. In einer solchen Szene kann ich ihn viel besser kennen lernen, als durch diesen eher indirekten Gedankengang.

Eine weitere Falle: Landschaftsbeschreibungen!

Eine weitere Gelegenheit Infodump zu produzieren sind Landschaftsbeschreibungen. Bestes Beispiel dürfte hier wohl Tolkin mit seinen Beschreibungen Mittelerdes sein. Gerade in Genres, die nicht in der heutigen Realität angesiedelt sind, ist es manchmal (vielleicht auch immer) notwendig die Umgebung der Protagonisten zu beschreiben.

Letztes Jahr habe ich eine Kurzgeschichte über zwei Magier in einem Sumpf geschrieben. Ganz bewusst habe ich auf Landschaftsbeschreibungen verzichtet und wollte sie einfach in ihrer Umgebung agieren lassen. Natürlich haben sie sich dann und wann damit beschäftigt, weil sie diesen Sumpf durchwandert haben, so dass ein paar Informationen geflossen sind und genau das war der Fehler: Aufmerksame Leser wollten dann noch genauer wissen, wie es da aussieht und konnten sich die Umgebung, mit den wenigen Hinweisen, nicht richtig vorstellen. Ich habe dann natürlich hier und da noch etwas eingefügt, aber auch dabei wieder bewusst versucht, keine allzu langen Beschreibungen einzubauen. Wobei ich auch ganz klar dazu sagen muss, dass es mir nicht darum ging diesen Sumpf dem Leser näher zu bringen, sondern mein Fokus auf der Handlung um die beiden Magier lag.

Auch hier gilt es mal wieder den goldenen Mittelweg zu finden!

Vor kurzem habe ich es in einem Roman entdeckt: Eine Landschaftsbeschreibungen, die sich über mehrere Zeilen erstreckt. Natürlich habe ich es voller Neugier gelesen, einmal wie die Landschaft beschrieben wurde und dann, inwiefern die Beschreibung später erforderlich war. Im Nachhinein finde ich, dass die Beschreibung (zumindest in dieser Länge) nicht notwendig war. Es fand dann „nur noch“ eine Schlacht statt, bei der man lediglich einen groben Überblick brauchte, wie es da aussieht. Aber ich konzentriere mich dann beim Lesen eher auf die Handlung (gerade bei Action-Szenen) und im Hinterkopf entsteht dann automatisch ein Bild. Es kann sein, dass ich es mir anders vorstelle, als es gemeint war, was aber mein Lesevergnügen nichts ausmacht.

Das geht mir jetzt aber nur rückblickend durch den Kopf. Beim ersten Lesen war ich eigentlich recht erfreut darüber zu erfahren, wie es da aussieht.

Mit der Umsetzung war ich dann weniger glücklich, weil sich der Protagonist dort einfach nur umgesehen hat. Besser hätte es mir gefallen, wenn es dabei einen direkten Bezug zu ihm gegeben hätte. Zum Beispiel, hätte er sich freuen können, endlich wieder an der frischen Luft zu sein, oder er hätte die Landschaft trostlos finden können. Auch aus der Sicht einer anderen Protagonistin, (die, wie in diesem Fall) überhaupt keine Lust hatte dort zu sein, wäre die Beschreibung auch sicher interessanter gewesen. Im Gesamtbild ist die Beschreibung dann aber nicht weiter negativ aufgefallen, ansonsten war der Roman richtig gut.

Noch ein Beispiel? – Die Klassiker

Erst kürzlich habe ich mal wieder den Klassiker: „Der Hund der Baskervilles“ gelesen. Sir Arthur Conan Doyle (aber auch ähnliche alte Schriftsteller, wie Stevenson, Poe und Chesterton) neigt dazu, die Landschaftsbeschreibungen einfach zu Beginn der Szene einzusetzen, sobald jemand einen (für ihn) neuen Ort betritt. Ebenso ist es mit der Personenbeschreibung. Die Person wird beschrieben, sobald sie zu sehen ist. Vorteil davon ist, dass gleich etwas Atmosphäre aufkommt (man denke nur an das gruselige, neblige Moor um Baskerville Hall) und man kennt sich, als Leser, gleich ein bisschen aus. Obwohl ich zugeben muss, dass bei mir meistens nur das Wichtigste hängen bleibt.

Ein Nachteil ist, dass diese Beschreibungen, dann meist handlungsarm sind und (je nach Länge) stellenweise langweilig wirken, weil ich lieber gewusst hätte, wie es in der Handlung weiter geht. Aber gerade für Sherlock Holmes sind ja die Details wichtig. Ohne die vorhergehenden Beschreibungen, kann er nicht sein Talent zeigen, deshalb verzeih ich Sir Doyle (und allen anderen) natürlich gerne diese etwas langatmigen Momente.

Bleibt nur die Frage, die ich mir für meinen eigenen Roman stellen sollte: Wie bringt man die Protagonisten dazu ihre Heimat zu beschreiben? Sie kennen sich dort aus, kennen jeden Baum und Strauch und werden sich sicherlich nicht interessiert umsehen. Ich muss wohl diese Beschreibung der zugezogenen Protagonisten unterjubeln. Aber auch der Zuzug ist schon einige Zeit her und sie kommt sich nicht mehr so fremd vor, dass sie sich andauernd umsehen müsste.

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