Du & Ich – Meine Charaktere und ich auf der Reise

Es beginnt mit der Idee. Oder doch nicht? Wenn mich die Muse küsst ist es oft so, dass sie mir zuerst einen Charakter bringt. Nicht immer einen vollständigen Charakter mit ganzer Biographie und fertigem Aussehen, sondern manchmal nur einen Charakterzug, eine seltsame Eigenschaft, die ich interessant finde. Dann frage ich mich: Was für eine Geschichte hat dieser Kerl? Wie kommt er mit seiner auffälligen Eigenschaft im Alltag zurecht? So entwickelt sich nach und nach die Geschichte.
Die Protagonisten oder Antagonisten sind also ein wichtiger Bestandteil des Textes, (in meinen Augen) vielleicht sogar der Wichtigste.
Manchmal passiert es mir, wenn ich eine Geschichte lese, dass ich mich nicht in den Protagonisten hineinversetzten kann. Das ist oft bei Schreibanfängern der Fall, wie es sicherlich auch bei war und manchmal vielleicht noch ist. Sie beginnen schnell mit der Handlung, um diese dann zügig Punkt für Punkt abarbeiten. Es ist dann wie in einem Action-Film mit Bruce Willis oder auch den alten Schwarzeneggern-Filmen: Das Blut spritzt, die Kugeln fliegen, aber der Handlungsverlauf ist eher rar und hält nur grob das Gerüst zusammen. Das sind die Filme, die im berühmten Popcorn-Kino laufen: Wenig Handlung, viel Action. Leider bleiben dabei die Charaktere oftmals blass, sodass (für mich) die Spannung etwas auf der Strecke bleibt. Oder hat schonmal jemand daran gezweifelt, dass John McLane das ganze nicht überlebt? Dass es keinen weiteren „Stirb langsam“-Film geben wird? Um bei diesem Beispiel zu bleiben: Die Geschichte von John McLane und seiner schwierigen Ehe ist dabei eher Hintergrund und zweitrangiges Beiwerk.

Es gibt natürlich Geschichten, die auch so funktionieren. Sie erzeugen allein durch die Handlung Spannung und man muss den Protagonisten nicht näher kennen, um die Geschichte interessant zu finden. Leider funktionieren aber nur die wenigsten Geschichten wirklich gut und auch der Action-Film überzeugt nicht alle seine Zuschauer.
Um aber ein breiteres Publikum, bzw. mehr Leser zu erreichen müssen wir uns mit den Charakteren beschäftigen. Dann wird auch die Spannung auf einer viel tieferen Ebene aufgebaut.

Wie überzeuge ich den Leser von meinem Charakter?

Ich glaube diese Frage sollte ich mir langsam zu den Charakteren meines Romanes stellen. Kommen sie natürlich rüber? Interessiert sich der Leser für sie und ihr Schicksal? Kann man ihre Handlungen nachvollziehen?

Das wichtigste, wenn man einen Charakter entwickelt ist wohl: Er muss echt wirken. Als ob es ihn wirklich geben würde. Egal, ob er nur der Zeitungsverkäufer von neben an werden soll, oder ein umherstreifender Vampir. Auch übernatürliche Wesen, Zauberer, oder Zwerge müssen wirken, als ob sie wirklich leben würden. Das tun sie auch, nämlich innerhalb der Geschichte.

Der wohl zweitwichtigste Punkt ist, dass mindestens einer der Charaktere symphatisch auf den Leser wirken solle. Wenn ich alle Helden unsymphatisch finde und mir wünsche, dass sie in den Sümpfen ertrinken mögen, dann interessiert mich ihr Schicksal nicht und es ist unwahrscheinlich, dass ich den ganzen Roman zu Ende lesen würde.

Wie hauche ich meinem Charakter Leben ein?

  • Gib ihm eine Vergangenheit! Jeder Mensch hat eine Geschichte, eine Vergangenheit. Auch wenn diese nicht immer Einfluss auf den eigentlichen Text hat, so prägt sie doch den Charakter. Du solltest dir also zumindest grob Gedanken machen, was deinem Charakter widerfahren ist, bevor er in deiner Geschichte auftaucht.
  • Gib ihm Macken mit! Kein Mensch ist perfekt. Es sind diese kleinen Eigenheiten, Macken und Unzulänglichkeiten die uns menschlich machen. Das kann bei einer schiefen Nase anfangen, geht über die dumme Angewohnheit nie die Schuhe zu binden, bis hin zu der interessanten Eigenschaft einer Farben-Allergie.
  • Lass ihn nichts tun, was du nicht auch tun würdest! In einer Fantasy-Geschichte ist es vielleicht etwas schwerer umzusetzen, aber auch hier gilt: Erst denken, dann handeln lassen. Würdest du dich nur mit einem Zahnstocher bewaffnet einer Bande Diebe entgegenwerfen? Nein? Dann lass es deinen Helden auch nicht tun. Denn es wirkt nicht nur unüberlegt und dumm, sondern auch unrealistisch. Das gilt auch für die Details. Würdest du denken: „Heute morgen habe ich meine braunen, halblangen Haare gebürstet!“, um dein Äußeres zu beschreiben? Natürlich nicht. Also lass deine Heldin auch nicht sowas denken. Ebenso ist es mit seitenlangen Monologen. Hast du schon einmal soviel am Stück gesagt? Wohl eher nicht.
  • Verteile Symphatie-Punkte! Es ist ganz natürlich, wenn man nicht jeden Menschen nett und symphatisch findet. Trotzdem sollte sich der Leser für deinen Helden interessieren, ihn vielleicht sogar nett finden. Er muss um ihn bangen können, mit ihm mitfiebern und Neugierig auf sein Schicksal sein.

Das personifizierte Böse – Der Antagonist

Der Bösewicht, oder der Gegenspieler unseres Helden, erhält leider selten die breits erwähnten Symphatiepunkte. Trotzdessen sollten auch seine Handlungen (in Gewisser weise) nachvollziehbar sein. Kein Mensch kommt von jetzt auf gleich auf die Idee die Welt zerstören zu wollen. Deshalb gelten für ihn diesselben Punkte wie für den Protagonisten. Er muss nicht immer unsymphatisch sein, darf genauso seine Fehler haben und seine Siege feiern. Denn dadurch interessiert sich der Leser nicht nur für ihn, sondern du erzeugst gleichzeitg Spannung.

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8 Gedanken zu “Du & Ich – Meine Charaktere und ich auf der Reise

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