Das Klischee – Ein notwendiges oder ein nützliches Übel?

Substantiv, Neutrum – 1. Druckstock; 2a. unschöpferische Nachbildung; Abklatsch; 2b. eingefahrene, überkommene Vorstellung

Duden.de

Was ist ein Klischee?

Der Duden erklärt es sehr schön mit dem Synonym „Abklatsch“. Ein Klischee ist eine Formulierung oder ein Handlungsablauf, den man schon öfter gelesen hat. Klischee ist das, was eine Geschichte langweilig werden lässt, weil der Leser sich schnell zusammenreimen kann, was passieren wird.

Wie vermeide ich Klischees?

 „Man gebrauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge.“

Arthur Schopenhauer

Diese Frage ist leider weniger leicht zu beantworten. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass jemand gesagt hat, dass es seit Goethe nichts Neues mehr gibt. Inbesondere in Beziehungsgeschichten scheinen alle Konstellationen schonmal dagewesen zu sein und auch im Fantasy-Genre, haben sich schon so viele Helden auf ihre Reise begegben, dass man schon glaubt sie alle zu kennen. Umgebracht wurde in Krimis auch schon mal jeder. Für jedes Genre lässt sich also wohl ein Plot finden, den es schonmal gab. Deshalb lässt es sich meiner Meinung nach kaum klischeefrei schreiben. Die Kunst ist also, soviel Neues hineinzubringen, dass die Klischees, die man zwangsläufig benutzen muss, nicht mehr auffallen.

Um bei dem Beispiel unserers Fantasy-Helden zu bleiben: Das er auf eine Reise gehen muss, um die Welt zu retten ist ein Klischee. Stellt man ihm ein paar Freunde zur Seite ist das ein weiteres Klischee. Aber verliert er diese Freunde wieder, ist das schon wieder eine neue Konstellation. Noch interessanter würde es werden, wenn er bei seiner Reise zu den Bösen überläuft und von nun an gegen seine Freunde kämpft. Es beginnt also mit einem Klischee, aber durch diese unerwartete Wendung wird es spannender. Auch hier gibt es wie so oft kein Patentrezept und der goldene Mittelweg (der auch schon wieder ein Klischee ist) muss gefunden werden.

Eine weitere Möglichkeit, die wir im Fantasy-Genre haben ist, durch den Weltenbau, aber auch das Magie-System Klischees zu Umschiffen, bzw. zu vertuschen. Ich lese gerade „Der Herr der Dunkelheit“ von Heide Sölveig Göttner. Ein Jungend-Fantasy-Roman (fragt mich bitte nicht, wie ich daran geraten bin), den ich aber doch recht gerne lese. Auf den ersten Blick erscheint die Geschichte recht klischeehaft: Eine kleine Gruppe an Gefährten, die das Schicksal zusammengeführt hat, ziehen durch das Land um ein Mädchen zu retten. Dabei sind sie nicht nur den Gefahren der rauen Natur ausgesetzt, sondern haben noch monströse Feinde auf den Fersen und auch feindlich gesinnte Menschen stehen ihnen im Weg. Das besondere an dieser Fantasy-Reihe ist jedoch, wie liebevoll die Autorin ihre Welt erschaffen hat. Nicht nur die Insel und das Setting, auch ein Glaubenssystem mit (mehr oder weniger eigenen Göttern), eigenen Bezeichnungen und Worten für alles mögliche, bis hin zu Tieren und Pflanzen und einer eigenen Rasse für die Feinde. Gerade dieses Fremde überall ist es, was mich neugierig auf die Geschichte macht. Ich möchte dieses Land sehen, möchte all die Worte und Gesten verstehen und natürlich wissen, wie der Konflikt ausgeht.

Viel zu meiner Begeisterung trägt natürlich auch der Schreibstil bei. Viele Sätze sind einfach schön. Schöne atmosphärische Beschreibungen, oft auch Gefühlsbetont. Der Schreibstil ist auch ein Weg, den man in allen Genres hat: Ist es schön geschrieben, fällt das schrecklichste Klischee weniger auf.

Ein weiterer Weg sind die Charaktere: Charaktere sollten immer symphatisch sein, damit ich weiter lese, damit ich mich für ihr Schicksal interessiere. Auch ein schöner, interessanter Charakter (oder auch nur ein Charakterzug) trägt viel zur Geschichte bei und kann dabei heilfen ein Klischee zu umschiffen. Ein Beispiel hierfür wäre der gute, alte Sherlock Holmes. Ein Detektiv, der Kriminalfälle löst ist das Klischee im Genre schlechthin. Aber Sherlock hat interessante Charakterzüge, er löst seine Fälle fast im Alleingang und fast nur mit seinem Verstand. Er ist ein so interessanter Charakter, dass es kaum auffällt, dass die Fälle in die er gerät fast immer nach dem gleichen Schema ablaufen. Das Klischee, dass der Detektiv immer alle Fälle löst (natürlich unterstützt von seinem besten Freund und Helfer) und klüger ist, als die zuständige Polizei trifft also voll zu. Wobei ich hier gerne zugebe, dass mein Beispiel nicht ganz zutreffend ist: Sherlocks Fälle sind meistens an sich schon interessant, sodass die Spannung auch dadurch erzeugt wird, dass man wissen will, wie und warum es zu dem Todesfall kam. Dennoch bleibt er ein gutes Beispiel für einen interessanten Charakter.

Sind Klischees nützlich?

In einem Autoreninterview habe ich mal gelesen, dass Klischees nützlich sein können. Weil sich der Leser dann direkt in dieser Situation auskennen würde.  Dem kann ich teilweise sogar zustimmen. Es kann einem unnötige Erklärungen ersparen. Wenn ich zum Beispiel beginne mit: „Der Winter war bitterkalt.“ Dann ist es klar, dass es ein ganz normaler, kalter Winter ist und der Leser weiss sofort Bescheid. Beginne ich mit: „Der Winter war frühlingswarm.“ dann beginnen sich sofort Fragen zu regen, wie „Warum ist es im Winter warm?“. Je nach Geschichte ist es gut, wenn diese Fragen auftauchen, aber – gerade in einer Kurzgeschichte – kann es nützlich sein, wenn solche –eher unwichtigen Details- direkt geklärt sind. Gerade um langweilige und störende Beschreibungen zu umgehen, können solche Klischees nützlich sein.

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2 Gedanken zu “Das Klischee – Ein notwendiges oder ein nützliches Übel?

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