Gänsehaut oder Lacheffekt: Was macht eine spannende Geschichte aus? (Teil 2)

Gänsehaut oder Lacheffekt: Was macht eine spannende Geschichte aus?

Und wie bekomme ich Spannung in meinen Text?

 „Was hinter der Tür oder am Ende der Treppe lauert, ist niemals so schrecklich wie die Tür oder Treppe selbst.“ (Stephen King „Danse Macabre“)

Das wunderbare Zitat von Herrn King führt mich abermals zu den unbekannten Dingen, zum Nervenkitzel des Neuen. Es ist eine typische Szene: Jemand steht vor einer Treppe, die zu einer geschlossen Tür führt. Langsam steigt er sie Stufe um Stufe empor und wir fragen uns: Was wird ihn oben erwarten? Aber, wenn er dann die Tür öffnet, findet er nichts weiter dahinter, als ein lieblich eingerichtetes Wohnzimmer. Und trotzdem steckt diese kleine Szene voller Spannung. Der Aufstieg nach oben, die Erwartung, dass hinter der Tür etwas Schreckliches lauert. Das Schürt den Spannung, das lässt uns den Nervenkitzel spüren, das lässt uns nicht schlafen, wenn wir es sollten. Das ist die Spannung, die einen Text aus macht.

Bleiben wir bei dieser kleinen Szene und wenden uns dem Mann zu der hier die Treppe emporsteigt. Wir kennen ihn nicht, dafür ist die Szene zu kurz. Wenn ich euch aber nun erzähle, dass er die Treppe nur hoch steigt um sein verschwundenes, unschuldiges Kind hinter der Tür zu suchen, er natürlich der einzige ist, der es retten kann, weil alle anderen schon gestorben sind, dann ändert das schon wieder alles. Plötzlich wissen wir wer er ist, warum er etwas tut und sagen uns: „Nein, tue das besser nicht, du findest dein Kind sowieso nicht!“ Plötzlich haben wir soetwas sie Symphatie für ihn entwickelt und fiebern deshalb mit ihm, ob er nun sein Ziel erreichen wird oder nicht.

Es hat damit zu tun, dass wir den Protagonist in diesem Moment symphatisch finden, wir wollen das er überlebt, dass für ihn alles gut enden wird und deshalb fürchten wir uns gleich noch mehr vor diesem Unbekannten hinter der Tür. Die Spannung wird noch weiter geschürt. Würden wir ihn nicht kennen (wie zu Beginn) würden wir auch nicht mit ihm mitfiebern wollen, dann wäre uns sein Schicksal gleichgültig.

Wenden wir uns nun der Tür zu, dem Grauen welches dahinter lautert (oder nicht). In diesem Fall ist es nur so grauenvoll, weil der Leser erwartet, dass etwas gefährliches hinter der Tür lauert. Weshalb sollte der Autor auch sonst soviel aufhebens um diesen Aufstieg machen? Die Spannung entsteht dadurch, dass wir unseren Helden in Gefahr sehen. Wir wollten ja wissen, wie es mit Hänsel und Gretel weiter geht, als sie von der bösen Hexe gefangen waren. Wäre Schlafenszeit gewesen, wenn die beiden auf der Blumenwiese spazieren waren, hätten wir tief und fest schlafen können. Ob der Held nun in Gefahr gerät, oder wir glauben er wäre es, steigert die Spannung also enorm.

Wäre es in unser Beispielszene taghell, würden wir Kinderlachen hinter der Tür hervorquellen hören, würde unser Vater ein Liedchen pfeifen während er hinaufsteigt würden wir (vermutich richtig) annehmen, dass er nur ins Kinderzimmer geht, um das Kind zum Mittagessen zu holen. Wir vermuten ihn nicht in Gefahr, also ist die Szene ohne die Bedrohung langweilig für uns, ohne Spannung.

Es ist das Mysteriöse, Ungewöhnliche und Gefährliche was uns die Spannung spüren lässt.

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2 Gedanken zu “Gänsehaut oder Lacheffekt: Was macht eine spannende Geschichte aus? (Teil 2)

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