Gänsehaut oder Lacheffekt: Was macht eine spannende Geschichte aus? (Teil 1)

Schon seit ich lesen lernen durfte, liebe ich spannende Geschichten. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Egal, ob ich eher im Krimi-, Horror-, oder Thriller-Genre unterwegs bin, ohne Spannung funktioniert für mich eine Geschichte nicht. Man könnte auch sagen: Sie ist langweilig.

Vielleicht erinnerst du dich auch noch daran: Wie du dich als Kind unter deine Bettdecke gekuschelt hast, dir deine Eltern vorgelesen haben und du ganz versunken warst in die Abenteuer von Aschenputtel, dem kleinen Gespenst, oder von Hänsel und Gretel. Je später es wurde, desto faszinierter warst du von deinen Helden, wolltest wissen wie es weitergeht und dann: Wurde es Zeit fürs Schlafen, das Lesezeichen wurde sorgfältig zwischen die Seiten gelegt und das Licht ausgemacht. Aber du lagst noch immer unter deiner Bettdecke, dachtest daran wie die Geschwister von der bösen Hexen bewacht wurden, oder das Aschenputtel schon wieder nicht auf den Ball durfte. Und du fragtest dich: Wie wird es weitergehen? Werden die Kinder gerettet? Wird Aschenputtel ihren Prinzen finden? Vielleicht hast auch du dann das Licht wieder angemacht, hast dir das Buch genommen und versucht herauszufinden, was diese Buchstaben vor dir bedeuten, wie es mit deinen Helden weitergeht.

Aber was ist es, was uns damals dazu getrieben hat, nicht zu schlafen? Wissen zu wollen wie es um das Schicksal deiner Helden bestellt ist? Was ist es heute, dass uns Seite um Seite lesen lässt, ganze Nachmittage vergessen und uns dazu treibst bis zum Ende durchzuhalten.

Es ist die Spannung. Es ist das Gefühl, wissen zu wollen, wie es liebgewonnen Freunden geht. Es ist die Gefahr in der sie schweben, die wir überwinden wollen. Es ist unsere natürliche Neugier.

 Was ist Spannung überhaupt?

Wenn ich diese Frage drei verschiedenen Leuten stelle, dann werde ich vier verschiedene Antworten erhalten. Jeder findet etwas anderes Spannend. Deshalb möchte ich es an dieser Stelle mal mit einem Beispiel versuchen.

Wir kennen sie wohl alle, die Filme, die immer und immer wieder wiederholt werden. Aber wir wollen sie uns nicht immer und immer wieder ansehen. Woran liegt das? Weil wir es langweilig finden, denn wir haben schon zum tausendsten Mal gesehen, wie Columbo in seinem Trenchcoat sich kurz vor Verhörende noch einmal herumdreht und die entscheidende Frage stellt. Oder wenn im Tatort der zehntausende gehörnte Ehemann festgenommen wird, weil er seine Rachepläne umgesetzt hat. Es ist für uns nicht mehr spannend, weil wir genau wissen was uns erwartet. Der Nervenkitzel des Unbekannten fehlt uns. Deshalb würde es wohl auch kaum Spannung erzeugen, wenn ich hier von meinem Alltag berichten würde. Es ist nichts Ungewöhnliches (oder Unbekanntes, um bei der Wortwahl zu bleiben), wie ich morgens aufstehe und zur Arbeit fahre. Weil es jeder ebenso erlebt.

Spannend hingegen wäre es, wenn mir plötzlich ein Drache auf dem Weg ins Büro folgen würde. Unzählige Fragen würden sich da stellen: Wo kommt der her? Was tut er ins unserer Welt? Warum folgt er ausgerechnet mir? Das wäre schon eher der Stoff für eine spannende Geschichte. Und das ist es auch, was uns früher dazu getrieben hat weiterlesen zu wollen: Die Neugier auf das Unbekannte, der Nervenkitzel des Neuen, das Entdecken von anderen Welten.

Gänsehaut oder Lacheffekt: Was macht eine spannende Geschichte aus? (Teil 2)

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6 Gedanken zu “Gänsehaut oder Lacheffekt: Was macht eine spannende Geschichte aus? (Teil 1)

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