Planung oder nicht Planung – Das ist hier die Frage!

Es gibt Autoren, die verbringen Jahre damit ihren Roman zu Planen, sich Charaktere auszudenken, Recherchen anzustellen und den Plot vom Anfang bis zum Ende zu skizzieren. Sobald diese Arbeit geleistet ist, müssen sie sich nur (!) noch an den Schreibtisch setzten und ihren Roman schreiben. Mit dem Prolog beginnen, sich an den Plan halten und erst wieder mit dem Epilog aufhören. So die Theorie.

Die zweite Möglichkeit ist: Einfach beginnen. Man nimmt sich einen Charakter oder zwei und wirft sie in ein Abenteuer hinein. Das gibt dem Autor die Möglichkeit, Seite an Seite mit seinen (mehr oder weniger) geliebten Charaktern die Geschichte zu erleben und zu entdecken. Das bedeutet aber auch: Es gibt keinen festen Plan, es muss immer wieder geplottet werden und es kann sein, dass durch manche Ereignisse vorherige Absätze geändert werden müssen. Das sind die sogenannten „Bauchschreiber“ und ich gebe zu, ich gehöre zu ihnen.

Aber was ist nun die Beste Methode um es am Ende bis zum fertigen Roman zu schaffen? Auch auf diese Frage habe ich leider keine richtige Antwort parat. Ihr wisst schon, sonst würde ich bereits in einer Finca auf Mallorca sitzen und mich auf meinen Bestseller-Millionen ausruhen.

Vielleicht hilft es ja,wenn ich wieder etwas aus der Seemanskiste plaudere. Zunächst müssen wir zwischen Kurzgeschichten und Romanen unterscheiden. Eine Kurzgeschichte hat in der Regel vielleicht fünf bis sechs Seiten. Natürlich gibt es auch längere, aber ich möchte erstmal von der klassichen, kurzen Kurzgeschichte ausgehen. Hier zeigt sich mir kein Problem darin, einfach loszulegen und wie es mir in den Sinn kommt Absatz für Absatz zu schreiben. Sollte sich ergeben, dass der Anfang nicht mehr zum Ende passt, sind die paar Seiten schnell gelesen und ausgebessert. Die Kurzgeschichte konzentriert sich nur auf einen Punkt hin. Vorgeschichte, Hintergrundwissen, Weltenbeschreibungen und viele Charaktere gibt es hier nicht. Bei Kurzgeschichten habe ich mit meiner Bauchgefühl-Methode schon oft den Erfolg erzielt, bis zum Ende zu kommen und zum Schluss eine Geschichte vor mir zu haben, die ich so erzählt habe, wie ich wollte.

Bei Romanen sieht es schon anders aus. Auch hier habe ich mit der Bauchgefühl-Methode begonnen. Ich habe tatsächlich (zumindest bis jetzt) alles einigermaßen chronologisch geschrieben und bin einige Kapitel weit gekommen. Aber ich bin nun an einem Punkt angekommen, wo ich einfach nicht weiß wie es weitergeht. Ich weiß zwar, wo ich am Ende hin will, aber so richtig weiß ich noch nicht, wie ich meine Charaktere dazu bringe. Mit der Planungs-Methode wäre das vermutlich nicht so Ich wüsste genau, was im nächsten Kapitel passiert. Viele werden jetzt aufschreien und sagen: „Ja, aber ich brauch meine Freiheit beim Schreiben!“ und „Meine Charaktere sollen mich führen und es wirkt natürlicher, wenn sie ihren freien Willen ausleben können.“

Dem möchte ich auch ganz und gar  nicht widersprechen, sondern erwiedern, dass auch die Planungs-Methode das hergibt. Es kommt eben darauf an, wie Engmaschig der Plan ist. Wie genau die Handlung ausgearbeitet ist und wie fest die Charakterzüge stehen.

Berichten möchte ich in diesem Zusammenhang noch von einer längeren Kurzgeschichte (18 Seiten), die ich erst neulich, nach ewig langer Arbeit daran, fertig gestellt habe. Alles begann mit einem seltsamen Charakter, bzw. er war nicht seltsam, aber er hat einen interessanten Beruf. So startet es bei mir oft und ich habe mich auf das Abenteuer mit ihm eingelassen. Hin und wieder kam ein weiterer Absatz hinzu, doch ich wusste nie genau, wie das Ende aussehen sollte oder was den nun konkret seine Aufgabe ist. So ging es mit uns jahrelang hin und her. Immer mal wieder kam eine Szene hinzu, bis ich schlussendlich doch wusste wie es ausgehen sollte, wo ich hin wollte. Problem bei der Sache war aber nun: Ich hatte jede Menge kleinere Abschnitte und Absätze, die ich nun irgendwie wie ein Mosaik oder ein Puzzle zusammensetzen musste. Irgendwann hatte ich das bewältigt, die Absätze ergaben irgendwie eine akzeptable Reihenfolge. Aber ein neues Problem stand schon in der Tür: Die Übergänge von Szene zu Szene waren zu hart. Es las sich, wie man es manchmal in Serien sieht, wenn in harten Bildschnitten gezeigt wird was geschah und man sich denkt: „Wenn ich es nicht gesehen hätte, würde ich es nicht verstehen.“ Oder „Also eigentlich war das ganz anders.“ So kam ich mir dann auch vor, wie in einer nicht enden wollenden Serie, in der es Stück für Stück weiter geht, aber das Ende einfach nicht in Sicht ist.

Die Lösung war dann: Ich habe das ganze einen Kurzroman genannt, habe versucht Übergänge hineinzubasteln und habe dort, wo es mir sinnvoll erschien, die Absätze in Kapitel zusammengepackt.

Schlussendlich muss ich sagen: Ja, es hat Spaß gemacht die Geschichte mit meinem Charakter zu entdecken und auch das Basteln zum Schluss war manchmal lustig. Aber: Es hat mich doch einige Nerven gekostet, die Absätze passend hinzubiegen und manches mal bin ich wegen der Reihenfolge verzweifelt. Ganz abgesehen davon habe ich immer das Gefühl, das was ich am Stück runter schreibe, liest sich doch irgendwie flüssiger. Deshalb bin ich inzwischen doch der Meinung, dass ein Plan nicht schlecht ist. Ich glaube mit einem Plan hätte mich die Geschichte weniger Nerven gekostet und ich würde mit meinem Roman inzwischen schon weiter sein.

Also probiert es bei eurem nächsten Text einfach mal aus: Plant ein bisschen die Handlung, macht euch vorab Gedanken wie eure Charaktere so sind und lasst euch trotzdem darauf ein mit ihnen die Geschichte zu entdecken.

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