Im Vergleich: Kurzgeschichten und Romane

 

„Schreiben ist leicht. Man muß nur die falschen Wörter weglassen.“

Mark Twain (1835-1910)

Auf den ersten Blick scheint die Frage, was einfacher zu schreiben ist, leicht beantwortbar zu sein. Eine Kurzgeschichte ist einfacher. Nur eine handvoll Seiten, anstatt gleich einen ganzen Roman mit Hunderten.

Aber ist das wirklich so? Auch eine Kurzgeschichte braucht, so wie wir es einmal im Deutschunterricht gelernt haben, einen Anfang, einen Mittelteil und ein Ende. Ich muss sagen, dass ich persönlich nicht expliziet darauf achte, ob ich das tatsächlich habe. Ich bin, wie schon erwähnt, eine Bauchschreiberin. Bei mir ergibt sich eine Kurzgeschichte immer ganz von selbst. (Zugegeben) Mal mehr und mal weniger von selbst. Irgendwann schreibe ich eben den letzten Satz und weiß einfach, dass das der letzte Satz ist. Ebenso ist es mit dem Anfang. Ich beginne und oft ist es so, dass dies auch der Anfang bleibt. Manchmal wird der noch etwas geändert, aber in der Regel, schreibe ich dann meine Kurzgeschichte einfach von oben nach unten durch und freue mich dann, wieder etwas zu Ende geschrieben zu haben.

Dennoch kann auch eine Kurzgeschichte Arbeit bedeuten. Recherchearbeit und Planungen. Je nach Inhalt und dann ist es eben nicht so, dass man die einfach so runterschreiben kann.

In diversen Autoreninterviews habe ich gelesen, dass es für manche schwierig ist, alles relevante auf ein paar Seiten zu komprimieren. Das man auf den Punkt beschreiben muss, nicht zu ausufernd sein kann. Auch das kann die Schwierigkeit einer Kurzgeschichte sein, dass man nicht genug Platz auf ein paar Seiten hat. Erst kürzlich ist mir ein nettes Ausschreibungsthema aufgefallen. Spontan beschloss ich etwas dazu zu schreiben. Nicht unbedingt mit dem Ziel es einzureichen, sondern einfach, weil ich das Thema nett fand und eine schon etwas ältere Idee einbauen konnte. Fröhlich schrieb ich also die Kurzgeschichte mit dem Hintergedanken sie vielleicht doch einzureichen, nur um am Ende festzustellen, dass ich an der Zeichenzahl gescheitert und weit übers Ziel hinausgeschossen bin. Natürlich habe ich versucht etwas zu kürzen, aber das war am Ende nicht mehr die Geschichte, wie ich sie haben wollte. Schlussendlich habe ich die Geschichte doch nicht gekürzt, bin aber immer noch zufrieden mit ihr.

Ist es also leichter hunderte von Seiten an Romanstoff zu schreiben? Ellenlange Planungen und Recherchen durchzuführen, Kapitel an Kapitel zu Reihen? Es gibt sicher Schreiber, die würden diese Frage mit „Ja“ beantworten. Inbesondere mit Blick auf meine kleine Anekdote. Vielleicht auch, weil es ihnen einfach liegt eine Geschichte Kapitel für Kapitel aufzubauen. Aber ich würde mit einem eindeutigen „Jein“ antworten. Denn ein Roman erfordert mehr Planung (einfach weil sich der Aufbaue über mehrere Kapitel hinzieht), vielleicht auch Recherche und vorallem: Mehr Durchhaltevermögen.

Andererseits ermöglicht ein Roman so vieles. Man kann seine Charaktere ausführlich beschreiben, einführen und handeln lassen. Kann sie eine Entwicklung durchmachen lassen. Man kann ganze Welten erschaffen und seine Helden sie erkunden lassen. Aber auch das ist wieder ein zweischneidiges Schwert. Insbesondere in Fantasy-Romanen muss man nicht nur seine Charaktere an den Leser bringen, sondern eine völlig neue Welt so beschreiben, dass sie lebendig und schlüssig wirkt. Ebenso ist es in anderen Genres in denen keine alltäglichen Dinge wichtig werden. Im Gegensatz zur Kurzgeschichte muss man hier die Spannung über viele Seiten hinweg aufrecht halten, Hinweise streuen und interessante Wendungen einbauen.

Es ist also wie immer, die Frage lässt sich nicht abschließend beantworten. Es kommt natürlich auch immer darauf an, was man erzählen möchte. Für die eine Idee genügen ein paar Seiten, für anderen Stoff braucht man mehr Platz.

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Montagsfrage #76

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Eine Aktion von Buchfresserchen

Wie ist bei dir das Verhältnis zwischen Fiktion und Non-Fiktion, wenn du dein Leseverhalten betrachtest?

Ich lese überwiegend Fiktion, grob geschätzt zu 95 % würde ich mal sagen. Warum ist das so? Ich könnte das gar nicht genau benennen, aber irgendwie erscheint es mir so, dass all die guten Autoren eben Fiktion schreiben. All die Sachbücher und Biographien in die ich so reinlese sind meistens erzählerisch nicht so, dass ich es spannend finden würde. Meistens „nur“ interessant und das lässt mich eben nicht zum nächsten Sachbuch greifen. Erst neulich habe ich ein Buch gelesen in dem die Autorin davon berichtet, wie sie eine Buchhandlung gekauft und dann betrieben hat. Das war zwar schon irgendwie interessant, weil man sich immer fragt, ob sie es nun schafft oder nicht, aber schlussendlich reihte sich eine kleine Anekdote an die andere ohne das es irgendwie einen großen Spannungsbogen gab. Ich glaube ich brauche diese Spannung, um ein Buch gut zu finden und die gibt es bei Non-Fiktion einfach nicht.

Gänsehaut oder Lacheffekt: Was macht eine spannende Geschichte aus? (Teil 2)

Gänsehaut oder Lacheffekt: Was macht eine spannende Geschichte aus?

Und wie bekomme ich Spannung in meinen Text?

 „Was hinter der Tür oder am Ende der Treppe lauert, ist niemals so schrecklich wie die Tür oder Treppe selbst.“ (Stephen King „Danse Macabre“)

Das wunderbare Zitat von Herrn King führt mich abermals zu den unbekannten Dingen, zum Nervenkitzel des Neuen. Es ist eine typische Szene: Jemand steht vor einer Treppe, die zu einer geschlossen Tür führt. Langsam steigt er sie Stufe um Stufe empor und wir fragen uns: Was wird ihn oben erwarten? Aber, wenn er dann die Tür öffnet, findet er nichts weiter dahinter, als ein lieblich eingerichtetes Wohnzimmer. Und trotzdem steckt diese kleine Szene voller Spannung. Der Aufstieg nach oben, die Erwartung, dass hinter der Tür etwas Schreckliches lauert. Das Schürt den Spannung, das lässt uns den Nervenkitzel spüren, das lässt uns nicht schlafen, wenn wir es sollten. Das ist die Spannung, die einen Text aus macht.

Bleiben wir bei dieser kleinen Szene und wenden uns dem Mann zu der hier die Treppe emporsteigt. Wir kennen ihn nicht, dafür ist die Szene zu kurz. Wenn ich euch aber nun erzähle, dass er die Treppe nur hoch steigt um sein verschwundenes, unschuldiges Kind hinter der Tür zu suchen, er natürlich der einzige ist, der es retten kann, weil alle anderen schon gestorben sind, dann ändert das schon wieder alles. Plötzlich wissen wir wer er ist, warum er etwas tut und sagen uns: „Nein, tue das besser nicht, du findest dein Kind sowieso nicht!“ Plötzlich haben wir soetwas sie Symphatie für ihn entwickelt und fiebern deshalb mit ihm, ob er nun sein Ziel erreichen wird oder nicht.

Es hat damit zu tun, dass wir den Protagonist in diesem Moment symphatisch finden, wir wollen das er überlebt, dass für ihn alles gut enden wird und deshalb fürchten wir uns gleich noch mehr vor diesem Unbekannten hinter der Tür. Die Spannung wird noch weiter geschürt. Würden wir ihn nicht kennen (wie zu Beginn) würden wir auch nicht mit ihm mitfiebern wollen, dann wäre uns sein Schicksal gleichgültig.

Wenden wir uns nun der Tür zu, dem Grauen welches dahinter lautert (oder nicht). In diesem Fall ist es nur so grauenvoll, weil der Leser erwartet, dass etwas gefährliches hinter der Tür lauert. Weshalb sollte der Autor auch sonst soviel aufhebens um diesen Aufstieg machen? Die Spannung entsteht dadurch, dass wir unseren Helden in Gefahr sehen. Wir wollten ja wissen, wie es mit Hänsel und Gretel weiter geht, als sie von der bösen Hexe gefangen waren. Wäre Schlafenszeit gewesen, wenn die beiden auf der Blumenwiese spazieren waren, hätten wir tief und fest schlafen können. Ob der Held nun in Gefahr gerät, oder wir glauben er wäre es, steigert die Spannung also enorm.

Wäre es in unser Beispielszene taghell, würden wir Kinderlachen hinter der Tür hervorquellen hören, würde unser Vater ein Liedchen pfeifen während er hinaufsteigt würden wir (vermutich richtig) annehmen, dass er nur ins Kinderzimmer geht, um das Kind zum Mittagessen zu holen. Wir vermuten ihn nicht in Gefahr, also ist die Szene ohne die Bedrohung langweilig für uns, ohne Spannung.

Es ist das Mysteriöse, Ungewöhnliche und Gefährliche was uns die Spannung spüren lässt.

Gänsehaut oder Lacheffekt: Was macht eine spannende Geschichte aus? (Teil 1)

Schon seit ich lesen lernen durfte, liebe ich spannende Geschichten. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Egal, ob ich eher im Krimi-, Horror-, oder Thriller-Genre unterwegs bin, ohne Spannung funktioniert für mich eine Geschichte nicht. Man könnte auch sagen: Sie ist langweilig.

Vielleicht erinnerst du dich auch noch daran: Wie du dich als Kind unter deine Bettdecke gekuschelt hast, dir deine Eltern vorgelesen haben und du ganz versunken warst in die Abenteuer von Aschenputtel, dem kleinen Gespenst, oder von Hänsel und Gretel. Je später es wurde, desto faszinierter warst du von deinen Helden, wolltest wissen wie es weitergeht und dann: Wurde es Zeit fürs Schlafen, das Lesezeichen wurde sorgfältig zwischen die Seiten gelegt und das Licht ausgemacht. Aber du lagst noch immer unter deiner Bettdecke, dachtest daran wie die Geschwister von der bösen Hexen bewacht wurden, oder das Aschenputtel schon wieder nicht auf den Ball durfte. Und du fragtest dich: Wie wird es weitergehen? Werden die Kinder gerettet? Wird Aschenputtel ihren Prinzen finden? Vielleicht hast auch du dann das Licht wieder angemacht, hast dir das Buch genommen und versucht herauszufinden, was diese Buchstaben vor dir bedeuten, wie es mit deinen Helden weitergeht.

Aber was ist es, was uns damals dazu getrieben hat, nicht zu schlafen? Wissen zu wollen wie es um das Schicksal deiner Helden bestellt ist? Was ist es heute, dass uns Seite um Seite lesen lässt, ganze Nachmittage vergessen und uns dazu treibst bis zum Ende durchzuhalten.

Es ist die Spannung. Es ist das Gefühl, wissen zu wollen, wie es liebgewonnen Freunden geht. Es ist die Gefahr in der sie schweben, die wir überwinden wollen. Es ist unsere natürliche Neugier.

 Was ist Spannung überhaupt?

Wenn ich diese Frage drei verschiedenen Leuten stelle, dann werde ich vier verschiedene Antworten erhalten. Jeder findet etwas anderes Spannend. Deshalb möchte ich es an dieser Stelle mal mit einem Beispiel versuchen.

Wir kennen sie wohl alle, die Filme, die immer und immer wieder wiederholt werden. Aber wir wollen sie uns nicht immer und immer wieder ansehen. Woran liegt das? Weil wir es langweilig finden, denn wir haben schon zum tausendsten Mal gesehen, wie Columbo in seinem Trenchcoat sich kurz vor Verhörende noch einmal herumdreht und die entscheidende Frage stellt. Oder wenn im Tatort der zehntausende gehörnte Ehemann festgenommen wird, weil er seine Rachepläne umgesetzt hat. Es ist für uns nicht mehr spannend, weil wir genau wissen was uns erwartet. Der Nervenkitzel des Unbekannten fehlt uns. Deshalb würde es wohl auch kaum Spannung erzeugen, wenn ich hier von meinem Alltag berichten würde. Es ist nichts Ungewöhnliches (oder Unbekanntes, um bei der Wortwahl zu bleiben), wie ich morgens aufstehe und zur Arbeit fahre. Weil es jeder ebenso erlebt.

Spannend hingegen wäre es, wenn mir plötzlich ein Drache auf dem Weg ins Büro folgen würde. Unzählige Fragen würden sich da stellen: Wo kommt der her? Was tut er ins unserer Welt? Warum folgt er ausgerechnet mir? Das wäre schon eher der Stoff für eine spannende Geschichte. Und das ist es auch, was uns früher dazu getrieben hat weiterlesen zu wollen: Die Neugier auf das Unbekannte, der Nervenkitzel des Neuen, das Entdecken von anderen Welten.

Gänsehaut oder Lacheffekt: Was macht eine spannende Geschichte aus? (Teil 2)

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Montagsfrage #52

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Eine Aktion von Buchfresserchen

Wie wichtig sind dir Klappentexte/Inhaltsangaben auf der Rückseite?

Um zu entscheiden ob ein Buch in mein Regal wandert und irgendwann einmal auf meinen Nachttisch, um gelesen zu werden finde ich den Klappentext sehr wichtig. Nach dem Titel das zweite was ich lese, wenn ich durch die Buchhandlung stöbere. Wenn mir der Klappentext nicht zusagt, bleibt das Buch im Laden. Ärgerlich wird es dann, wenn ich merke, dass mir der Klappentext schon zuviel verraten hat oder nicht klar wird, ob es sich um Reihe handelt (und wenn ja um welchen Band) oder nicht.

Inspiration – Woher nehmen, wenn nicht stehlen?

10 Tipps, wie du eine gute Idee findest

Das mit der Inspiration ist eine seltsame Sache. Manchmal findet sie dich gar nicht und manchmal lauert sie an jeder Ecke. Aber was tun, wenn man sie mal dringend braucht, wenn die zündende Idee sich versteckt?

Hier sind 10 Tipps, wie man die Inspiration aus ihrem Versteck lockt:

  • Stöbere in deinem Notizbuch! Das ist immer eine gute Möglichkeit, um auch ältere Ideen eine Chance zu geben.
  • Entstaube deine Anfänge! Wer viel schreibt, hat auch Geschichtenanfänge auf seiner Festplatte und meistens lohnt es sich auch, die Anfänge zu beenden.
  • Beobachte fremde Menschen! Ich mache das sehr gerne. Einfach mal an der Supermarktschlange umschauen. Wer steht da? Was sind das für Menschen, welche Geschichten tragen sie mit sich? Wohin gehen sie nach dem Einkauf?
  • Besuche Schreibforen! Ja, es gibt sie, die wirklich guten Foren in denen sich die kreativen Köpfe treffen. Hin und wieder gibt es auch Schreibaufgaben und Inspirationen in verschiedenen Formen.
  • Informiere dich über Ausschreibungen! Sicher, es gibt Schreiber, die wollen ihre Texte bei einer Ausschreibung veröffentlichen, aber auch für die, die das nicht wollen kann es ich lohnen, sich die Themen anzuschauen. Ich habe auch schon eine Kurzgeschichte geschrieben, die dann aber leider so lang wurde, dass ich sie nicht mehr einreichen konnte. Aber es hat mir viel Spaß gemacht, sie zu schreiben.
  • Schaue dir Bilder an! Auch Bilder bieten viel Inspiration. Jedes hat seine Geschichte, ruft ein Gefühl hervor. Gefühle, die sich in Worte fassen lassen, die zu Texten werden können.
  • Lese ein Buch! Wo kann man besser schöne Worte, inspiriende Geschichten, interessante Menschen finden, als in Büchern? Natürlich soll dabei kein Plagiat entstehen, wie es bei Frau Hegemann anscheinend der Fall war. Aber lesen schult das Auge für Rechtschreibung und Satzbau, schärft den Blick für den Aufbau und für Setting und ab und zu entwickeln sich dadurch auch Ideen.
  • Lass deinen Gedanken freien Lauf! Such dir einen ruhigen Ort und lass ihn auf dich wirken. Zum Beispiel dein Garten. Was wäre, wenn du deine Nachbarn beobachtest, wenn dort Menschen auftauchten, die dort nichts zu suchen haben?
  • Mache einen Spaziergang! Manchmal hilft es unterwegs zu sein. Neue Orte zu entdecken, oder an gewohnten Plätzen, neue Menschen zu treffen. Zum Beispiel, wenn du im Wald spazieren gehst. Was könnte dort passieren, wenn du stürzt und von wilden Einhörnern gefunden wirst? Oder was passiert, wenn du plötzlich hinter dir fremde Männerstimmen hörst?
  • Schaue Fernsehen! Es hilft das Gehirn mal abzuschalten uns ich berieseln zu lassen. Aber manchmal sieht man auch schöne Landchaften, hört interessante Worte, sieht ungewöhnliche Charakterzüge. Zugegegeben: „Bauer sucht Frau“ ist auf den ersten Blick vielleicht nicht sehr inspirierend, aber was wäre, wenn ein Bauer das Schweinefüttern nicht überlebt, oder er auf dem Kartoffelfeld plötzlich ein Phönix-Ei findet?

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Montagsfrage #47

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Eine Aktion von Buchfresserchen

Liest du auch Bücher, die nicht aktuell (also in den letzten Jahren erschienen) sind, aber nicht zu den Klassikern zählen?

Ja klar lese ich auch ältere Sachen. Ich ziehe mir immer ein Buch aus dem Regal, welches mir gerade symphatisch erscheint. Dann lese den Klappentext und wenn er mir zusagt, darf es auf meinen Nachttisch. Auf das Erscheinungsdatum achte ich dabei gar nicht. Manchmal passiet es, dass ich nach einem bestimmten Autor Ausschau halte, weil mir in den Sinn gekommen ist, das ich schon lange nichts mehr von ihm oder ihr gelesen habe. Oder ich suche ein bestimmtes Buch, welches ich mir kürzlich gekauft habe, aber ansonten entscheidet da eher der Zufall.